12Uhr-Läuten aus St.Nikolaus am 6.12. in Radio BR 1

Die Geschichte kirchlichen Lebens in Wendelstein, einer Marktgemeinde südlich von Nürnberg, reicht zurück bis ins hohe Mittelalter. Beleg dafür ist die Verehrung einer örtlichen Heiligen, der seligen Achahildis von Wendelstein, die im 14. Jahrhundert lebte und ihrem Namen Ehre machte nicht durch die Herkunft aus ‚blauem Geblüt‘, sondern weil sie ihr Vermögen einsetzte zur Linderung der Not und zum Teilen mit den Armen. Und wohl auch den Grund legte für die Stiftung der altehrwürdigen, jetzt evangelischen St. Georgs-Kirche. Mit der Reichsstadt Nürnberg schlossen sich auch die Wendelsteiner schon früh der reformatorischen Bewegung an. Katholisches Gemeindeleben entstand erst wieder sozusagen durch eine Naturkatastrophe: in den 1890er Jahren war der umgebende Reichswald von Schädlingen zu großen Teilen befallen; Holzfäller und Waldarbeiter aus dem Bayerischen Wald –nahezu alle katholisch- wurden zur Behebung der Schäden herbei gerufen, etliche blieben aus Gründen von Lohn und Brot oder wegen einer großen Liebe anschließend da, manche Familienangehörige zogen n20201206 KircheWSTach: so errichteten sie mit eigener Hände Arbeit 1895 eine kleine Kirche im Fachwerkstil.
Das Patrozinium St. Nikolaus, das wir ja heute feiern dürfen, kam von daher, weil eine Pfarrgemeinde gleichen Namens in Mitteleschenbach in jener Zeit ihr Gotteshaus neu ausstattete und die gebrauchten Bilder und Statuen zu erschwinglichen Konditionen von den Wendelsteinern übernommen werden konnten. 

Durch das Kommen von Heimatvertriebenen nach dem 2. Weltkrieg und durch den Zuzug vieler aus der Oberpfalz und Westmittelfranken ab den 50iger Jahren wuchs die kath. Ortsgemeinde, sie wurde 1954 zur Pfarrei erhoben und der damalige Pfarrer Josef Bittner betrieb mit seinen Pfarrangehörigen anstelle der bisherigen den Bau einer großen neuen Kirche. Sie wurde Ende August 1963 eingeweiht; Architekt war Peter Leonhardt aus Nürnberg, der im Umkreis etliche katholische Kirchen plante. Den Bauherren war es ein Anliegen, möglichst bald auch für entsprechendes Geläut zu sorgen. Auf der alten Nikolauskirche waren nur zwei kleine Glocken installiert, im Volksmund etwas verächtlich als „Kuhschellen“ bezeichnet. Und so schrieb Pfarrer Bittner an die Vorgesetzten in Eichstätt, die angesichts der finanziellen Herausforderungen durch den Kirchbau zu einer kleinen Lösung rieten, in einem ‚Brandbrief‘, die Gemeinde St. Nikolaus wolle keine „Hundebimmelglocken“, sondern ein kraftvolles Geläute. Dieses wurde bestellt und angefertigt bei der renommierten Glockengießerei Schilling in Heidelberg und schon am 13. Dezember 1963 konnten die neuen Glocken begrüßt und auf den Turm gehoben werden, mit einem Gewicht zwischen 200 und 980 kg. Sie waren tonlich abgestimmt auf das Geläut im evangelischen Kirchturm - ein schönes Zeichen der Übereinstimmung in den Grundwahrheiten unseres gemeinsamen Glaubens. Sich ökumenisch miteinander verbunden zu wissen ist seit Jahrzehnten ein starkes Anliegen der örtlichen Kirchengemeinden. Zudem weiß sich die Pfarrei St. Nikolaus aufgerufen zur Gastfreundschaft für Nahe und Ferne, Fremde und Freunde: ein überkonfessionelles Team müht sich engagiert um den Fairen Handel; um das Gotteshaus herum gibt es in Kinderkrippe, Kindergarten und Hort, im Jugendhaus der Pfadfinder und dem kath. „Vereinshaus“, schon 1927 errichtet, viel Platz für die verschiedenen Generationen und Raum für lebendigen Austausch.

Dass das Läuten der Glocken bis heute ein prägendes und unüberhörbares Zeichen ist, wurde deutlich im Frühjahr dieses Jahres, als in den gottesdienstfreien Wochen mit dem Geläut von St. Nikolaus auch die Glocken im Pfarrverband „brücken-schlag“ und in den evangelischen Kirchen der Region jeden Sonntag um 10.00 Uhr gemeinsam kraftvoll ertönten und die Menschen an den Glanz dieses ersten Tages der Woche und an den österlichen Sieg Jesu Christi über Unheil und Tod erinnerten. Daraus speist sich ja die Hoffnung unseres Glaubens…

 MK