Faszinierendes Persien - Religion, Menschen, Kulturen

Faszinierendes Persien - Vortrag im Rahmen der Katholischen Erwachsenenbildung

 

 

Persien - damit verbinden sich viele Erinnerungen, von Geschichtslektionen über die Perserkriege der Griechen, an den Schah und die Proteste der 68-er gegen einen Staatsbesuch in Deutschland, an die Revolution 1979 unter Ajatollah Chomeini, an den irakisch-iranischen Krieg 1980-1988, bis zur aktuellen Diskussion über das iranische Atomprogramm. 

 

20150916 PersienMPersien, heute Iran genannt - das Hauptland des schiitischen Islam, eine Theokratie (Herrschaft der Geistlichkeit) mit wenig Kontakt zur Außenwelt. Wenige Touristen kommen mit Gruppen ins Land, um vor allem architektonische Schätze und Altertümer zu besichtigen. Zu einer solchen Gruppe gehörte auch Susanne Gutmann, Pfarrerin in Nürnberg. Bei ihrem Vortrag am 16.9. im Vereinshaus von St. Nikolaus in Wendelstein konnte sie mit zahlreichen Bildern und Informationen zu Alltag und Religionen aufwarten. Ihre Reise führte durch das Landesinnere von Shiraz über Persepolis nach Isfahan. 

Die zahlreichen Zuhörer wurden anhand zahlreicher Fotos auf diese Reise mitgenommen und staunten über die Bilder von prächtig ausgestatteten Moscheen mit den typischen bunten Mosaiken und von kunstvoll angelegten Gärten. Persien gilt als die Wiege des Gartenbaus; schon in alter Zeit haben die Menschen begonnen, kahlen Felsen grüne, gestaltete Oasen entgegenzustellen. Auch Monumente aus der persischen Antike stellte Susanne Gutmann vor, besonders die Skulpturen aus der antiken Stadt Persepolis.

 

Frau Gutmann ging als Theologin auch auf Unterschiede zwischen schiitischem und sunnitischem Islam ein. 20150916 Persien1Die strengen Regeln des schiitischen Islam können in der Lebenspraxis der Bevölkerung durchaus augenzwinkernd aufgeweicht werden. Gegenüber anderen Religionen ist der Iran für islamische Verhältnisse sehr tolerant. Es gibt christliche Armenier, die (an Nicht-Muslime) Alkohol verkaufen dürfen, es gibt Synagogen, und es gibt sogar reservierte Parlamentssitze für diese Minderheiten; auch für die im Westen wenig bekannte Gruppe der Zoroastrier, der vorchristlichen Religion des Zarathustra. Zu dieser Gruppe gehören nach offiziellen Zahlen etwa 40.000 der 80 Mio. Iraner. Auch Moslems haben Teile der zoroastrischen Philosophie übernommen, deren Ethik in den Leitbegriffen mündet: "gut denken, gut reden, gut handeln". Die fälschlich auch "Feueranbeter" genannten Zoroastrier pflegen in eigenen Tempeln ihren Kult.

 

Eine Besonderheit des schiitischen Islam ist die Heiligen- und Märtyrerverehrung. Eine besondere Form der Märtyrerverehrung zeigte die Referentin anhand von Fotos aus dem Reisebus: An den Ausfallstraßen der Städte sind kilometerlang Bilder von Gefallenen des irakisch-iranischen Kriegs aufgereiht. Diese kulthafte Erinnerung an die 1 Mio. Kriegsopfer ist sicherlich eine schwere psychologische Belastung der iranischen Gesellschaft.

 

mkl 26.9.15