Sternstunde der Blasmusik – Musikstücke „mit Sahne“

Eindrucksvolles Benefiz-Konzert des Heeresmusikkorps in der Schwarzachhalle Röthenbach bei St. Wolfgang

55 Musiker an Blas- und Begleitinstrumenten zauberten einen vielfältigen Klang in die nahezu ausverkaufte Schwarzachhalle in Röthenbach bei St. Wolfgang. Oberstleutnant Roland Kahle führte einfühlsam durch das Programm, erläuterte die Stücke, erzählte aber auch von den Einsätzen seines Musikkorps un d den Nöten eines Dirigenten.

20160603 Heeresmusik BildDas Konzert begann mit der „Unity-Fanfare“. Sie ist gleichzeitig auch Aufforderung und Verpflichtung: Einheit/Einigkeit in der Musik aber auch unter den Völkern und Nationen. Ein gelungener Auftakt des Konzertes und ein klangvoller Appell an die Menschheit.

 

Mit Friederikus Rex - einem Grenadiermarsch – spielte das Musikkorps einen seiner Traditions-märsche, der schon fast zum „Veitshöchheimer Marsch“ wurde. Mit „Waidmannsheil,“ erklang einer der schönsten und beliebtesten Jägermärsche, kommen doch darin neben einer verwegenen Jagd auch die beiden Lieder: „Ich schieß den Hirsch im wilden Forst“ und „Im Wald und auf der Heide“ vor. So stellten sich die meisten Besucher zunächst Blasmusik eines Heeresmusikkorps vor.

Solchen Genre-Vorstellungen von Militärmusik wurde aber mit der sinfonischen Dichtung „Bonaparte“ widersprochen, erklangen doch darin auch „Bilder“ eines sehr nachdenklichen Napoleons und einer zartbesaiteten Männerseele, der in der Fremde seine Josefine sehr vermisste. Oboe-, Flöte- und Baßklarinette-Solos zeigten diese Stimmungen eindrucksvoll auf, bevor Truppenwegungen mit gestampften Rhythmen wieder Militärmusik erklingen ließen. Diese Sinfonische Dichtung spielte das Musikkorps mit besonderer Hingabe, gibt es doch für sie wenige Gelegenheiten, dieses sehr lautmalerische Stück erklingen zu lassen.

Mit der Fanfare „Star Wars“ und der „Star Wars Saga“ wurde bewiesen, dass klangreiche Filmmusik auch ohne Film spannend, bewegend und mitreißend sein kann. Besonders die Herzen der vielen Blasorchestermitglieder aus den umliegenden Orten waren von dieser Interpretation begeistert, haben doch viele Orchester diese Stücke im eigenen Programm.

Ein James Last – Medley überzeugte die letzten Zweifler. Blasmusik als flotte Big-Band-Musik. Da wurde mitgesummt, mitgewippt, da waren Altersunterschiede weggefegt.

Beim Deutschmeister-Regimentsmarsch klatschten die Zuhörer begeistert mit und mancher sang sogar mit: Wir sind vom K- und K- Infantrieregiment. Vielleicht erinnerte sich mancher auch an den Film, wo die Freundin des jungen Komponisten die Noten des Marsches in einem Nusshörndl für den Kaiser versteckt hatte.

Zum Ende des offiziellen Programms servierte das Musikkorps die bekanntesten Schlager von Udo Jürgens klangvoll „mit Sahne“. Dabei gingen vielen Zuhörern auch die Texte durch den Kopf – z.B. „Und immer wieder geht die Sonne auf“.

Die veranstaltende Pfarrei St. Nikolaus Wendelstein wünschte allen Musikern, dass der übermittelte „gute Geist“ dieses Konzertes noch lange anhalten möge und untermauerte diesen Wunsch mit gesponsertem „Wendelsteiner Brunnengeist“. Um den Dirigenten weiterhin mit vielfältigen Ideen für sein Orchester zu inspirieren, wurde ihm für den Probensaal eine Orch(ester)idee überreicht. Die Knospen der Orchidee sollten zahlreichen Orchesternachwuchs darstellen.

Durch lange anhaltenden Beifall erzwangen sich die Zuhörer zwei Zugaben, einen Marsch und zum Ende eindrucksvoll und bewegend die Nationalhymne. Damit wollte Oberstleutnant Roland Kahle mit seinen Musikern auch einem Mitarbeiter des Musikkorps Anerkennung zollen, der für einen längeren Zeitraum zur Bearbeitung von Flüchtlingsanträgen abgeordnet ist. Eine für Alle ergreifende Geste.

Die Musik ist verklungen, der imposante Eindruck des Abends bleibt, die Begeisterung für präzises Musizieren mit Herz und Musikverstand, ein einfühlsames Dirigat von Oberstleutnant Roland Kahle, der seine Frauen und Männer im Musikkorps nicht nur führt, sondern motiviert und zu „Höchstleistungen“ anspornt. Die Friedensmission des Musikkorps konnte in eindrucksvoller Weise unter Beweis gestellt werden, kann doch durch das kostenlose Auftreten viel Gutes ermöglicht werden. Die erzielten Einnahmen und Spenden in Höhe von 4517,50 € kommen zu einem Drittel dem neu erbauten Kindergarten in St. Nikolaus Wendelstein und zu zwei Drittel Kindern/Jugendlichen in der Einrichtung Lifegate in Beit Jala bei Betlehem zugute.

Hermann Lahm 

 

Bilder: Konrad Sailer

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