„Engel kommen unverhofft - Engel, Engel kommen oft….“

Gedanken zu Gottes BotInnen

Vier Gedankenverbindungen will ich gerne mit-teilen, die mir zum Festtag der hl. Erzengel in den Sinn gekommen und durch Kopf und Herz gegangen sind…

Das erste Erlebnis: Bei einem Besuch bei Freunden parke ich auf einem freien Stellplatz neben einem Kleinwagen ein - und stutzte und staune und muss schmunzeln über den Aufkleber, der auf breiter Front im Rückfenster prangt; da steht: 

"Neuer Schutzengel gesucht - meiner hat keine Nerven mehr!" 

Was hinter diesem Ausruf mit Ausrufezeichen  steckt, kann man nur erahnen. Entweder gab‘s mit der fahrbaren Kutsche technisch schon viel Malheur, so dass du dir denkst: Das ist allmählich nicht mehr zum Aushalten. -- Oder du bist selber nicht der volle Profi am Lenkrad und durch manche gefährliche Situationen nur mit Glück und Engelsgeleit und der Hilfe wohlwollender Mitmenschen gerade noch so durchgekommen. -- Oder du hast von anderen Verkehrsteilnehmern her schon so viel Bedrängendes erfahren - riskante Überholmanöver, geschnitten werden, unfreundliche Reaktionen -, dass du meinst: Das hält nicht mal ein Schutzengel aus; meiner ist bestimmt schon ausgestiegen und hat sich aus dem Staub gemacht. "Schutzengel gesucht" - das betrifft neben den himmlischen Mächten also auch unsere Bereitschaft - im Straßenverkehr und auf all den anderen wichtigen Lebensfeldern - dass wir da einander "Engel" sind und immer neu werden, das heißt Helferin, Freund und Begleiter.

Daran anknüpfend die Erfahrung vor Zeiten bei einem Trauergespräch. Ich hab mich mit den Angehörigen bei ihnen daheim getroffen und beim Gang in die Wohnung und beim Blick auf die häuslichen vier Wände der Familie ist mir aufgefallen, dass sich etliche Bilder und Figuren von Engeln, klein und groß, im Raum befanden. "Unsere Mutter hatte eine Vorliebe für die Boten mit Engelsflügeln", berichten mir die Angehörigen auf meine Nachfrage hin. "Aber sie selber: sie war für uns der beste Engel!" - Nicht nur „abgeleitet“ vom Vornamen der Heimgegangenen: Angela / die Botin, sondern „bezeugt“ durch ihr Wesen, ihre Art zu leben in Aufmerksamkeit und Fürsorge.

Will sagen: Der Schutz, den Gott uns verspricht und gewährt, will spürbar und leibhaft erfahren und weitergegeben werden durch uns Menschen. 

20190929 EngelkerzeDarum haben die Erzengel auch Namen, sie heißen Michael („Wer ist wie Gott - so groß in seiner Treue und Barmherzigkeit), Gabriel = der Mann, den Gott schickt; gemeint ist der „Werber“ für eine Beziehung, der „Hochzeitslader“, der Maria von Nazaret in den Bund mit IHM einlädt: Der HERR ist mit dir) und Raphael („Gott ist Heil“). Das heißt: Du mit deinem Namen, ob du jetzt Michael, Gabriele, Raphael oder anders heißt, bist von Gott gefragt, an deinem Platz, auf deiner Lebensbahn eine Botin, ein Bote SEINER Menschenfreundlichkeit und Güte zu werden. Wenn wir uns das trauen - nach dem Maß unserer Gaben und auch mit unseren Grenzen - feiern wir mit Fug und Recht, mit Sang und Klang unseren  Namenstag - nicht nur als gute Gewohnheit, als ein jährliches Ritual, sondern als regelmäßige Erinnerung und als Zeichen unseres guten Willens, unsere Sendung und Beauftragung durch Gott neu anzunehmen.

Ein drittes Geschehen: In den Sommerferien waren wir „per pedes apostolorum“, also zu Fuß unterwegs durch die Mark Brandenburg (wie weiland Theodor Fontane auf seinen Wanderungen; heuer ist sein 200. Geburtsjahr). Am Endpunkt unserer Wege, in Potsdam und Brandenburg an der Havel wurden wir in den Kirchen durch Schaubilder und Augenzeugenberichte erinnert an den Gang der Dinge in 1989: „Friedliche Revolution“ nennen die Christen im Osten des Landes dieses umwälzende Ereignis, aus der Diktatur mit Lügen und Bespitzelung befreit worden zu sein, nicht nur eher belanglos „Wende“ wie bei uns hier. - Zuletzt dann gastfreundliche Aufnahme bei Nicola und Mike in Berlin; mit ihnen die „Erkundung“ der Stadt per Schiff auf Wasserwegen - in der Nähe des Kanzleramtes schipperst du direkt entlang der ehemaligen scharf bewachten Grenze. Mir ist der Film des bekannten Regisseurs Wim Wenders aus den achtziger Jahren eingefallen: „Der Himmel über Berlin“, in dem ‚himmlische Wesen‘ agieren… Der Filmemacher selbst erinnert sich an seine „Engel-Erfahrungen“ im Umgang mit DDR-Funktionären bei den Dreharbeiten zu seinem Werk in der damals noch geteilten Stadt. 

>> Ich hatte es mir in den Kopf gesetzt, dass meine Engel sich oft oben auf dem Brandenburger Tor aufhalten sollen. Das war damals unmittelbarer Grenzbereich. Jedenfalls saß ich in dem großen Büro des Ministers, der mich erwartungsvoll anschaute, um zu erfahren, was mich denn zu ihm gebracht hätte. — Nein, ein Drehbuch hätte ich nicht, musste ich gleich eingangs zugeben. — Das war ihm suspekt. Wo kein Drehbuch war, konnte man weder verbieten, noch genehmigen. Was für eine Geschichte ich denn erzählen wolle? — Ich wolle Berlin erzählen, begann ich. — „Also ein Dokumentarfilm?“ — „Nein, ich habe auch Hauptfiguren.“ — „Was für welche?“ — „Schutzengel“, sagte ich, „mein Film handelt von Engeln, die in unserer Stadt leben.“ Da hat er mich ungläubig angeschaut. Ich sah geradezu wie es in seinem Hirn arbeitete… — „Sind die unsichtbar?“ — Ich bejahte mit einem Nicken, da gluckste er schon vor Lachen auf: „Wenn die unsichtbar sind, können die sich ja überall rumtreiben?“ — „Genau“, musste ich anerkennend zugeben. — Da prustete er vor Lachen. „Dann können die auch durch Wände und Mauern gehen?“ — Ich nickte wieder. —„Dann können sie auch durch die Mauer gehen?“ — Und bevor ich dazu etwas sagen konnte, brach er in so schallendes Gelächter aus, dass er rot anlief und ich Sorge hatte, er würde vor mir ersticken… Als er sich beruhigt hatte,  kam er schnell auf den amtlichen Punkt der Angelegenheit. „Völlig ausgeschlossen, dass Sie irgendwo im Bereich der Mauer drehen… Sie werden überhaupt nirgendwo in Ost-Berlin drehn, mit ihren unsichtbaren Engeln. Die kommen mir nicht über die Grenze.“ - In der Nähe des Grenzstreifens sprach der Staatsratsvorsitzende Erich Honecker noch im Januar 1989 davon, dass ‚die Mauer, dieser antikapitalistische Schutzwall gegen die Aggressoren aus dem Westen, noch 50 , ja 100 Jahre Sinn und Bestand haben werde‘ - wenige Monate später wurde das System aus Ideologie und Gewalt durch das Wagnis freier Rede und furchtlosen Handelns, durch den „Einsatz“ von Gebeten und brennenden Kerzen aus den Angeln gehoben - eine friedliche Revolution, ohne jedes Blutvergießen - unglaublich. Der Mensch denkt - und Gott lenkt.

Zu guter Letzt: Im Fundus an Gedenkbildchen und ‚Lebenszeichen‘ in meinem „Gotteslob“ verwahre ich eine Grußkarte, die mir vor Jahren eine Niederbronner Schwester mit Namen Schwester Lauretta zum Namenstag geschrieben hat –jahrzehntelang hatte sie als ambulante Krankenschwester Dienst getan; sie ist schon ins Licht SEINER Liebe heimgegangen. - Da steht als Spruch vorne drauf: "Wieviele Engel gibt es...? Einer, der unser Leben verändert, genügt völlig."

Manchmal treffe ich Leute, von denen ich dann im Gespräch höre, dass es da und dort in ihrem Leben einen Augenblick, eine Stunde gegeben habe, wo ihnen etwas aufgegangen ist, wie ein Licht vom Himmel. Wo es eine Begegnung mit jemandem gab, die sie zuinnerst berührt hat und die ihnen zu einem "Schlüssel" wurde für die weitere Lebensreise. Auf der Karte lauten die letzten Worte: „Danke für den Segen und für Ihr Gebet. - Ich mache auch für Sie weiter!“ Davon bin ich überzeugt, dass mir diese Sendbotin Lauretta vor Gottes Angesicht eine starke Fürbitterin bleibt.

Dass wir in der Mehrzahl und Vielzahl sprechen von Engeln, Erzengeln, Schutzengeln, Cherubim und Serafin, von Thronen und Mächten und Gewalten bei den Scharen des Himmels darf uns nicht den Blick verstellen, dass es der EINE GOTT ist, der uns trägt und unser Leben leitet und begleitet und dass er seinen einzigen Sohn für uns hingab zu unserem Heil: Jesus Christus. Dieser ist der wahre und eigentliche "Angelos", der uns Gottes Nähe und Treue und Barmherzigkeit bezeugt wie kein anderer vor und nach ihm. Deswegen wird er auf den Bilderwänden, den Ikonostasen der östlichen Kirchen manchmal dargestellt mit „Flügeln“. ER ist es , der unser Leben verändert auf Hoffnung hin, der es  mit aller Freude und allem Leid wandelt zu einer Geschichte des Heiles bis hinüber in ewiges Leben. 

IHM bleiben wir auf der Spur und folgen IHM nach. So wissen wir uns mit dem lebendigen Gott und untereinander und der ganzen Schöpfung im Bunde.

MK