„Was uns Steine erzählen und künden…“

 Anregungen zu Gottes Wegen mit uns in seinem Jesus

Jene, die Jesus folgen auf seinem Weg durchs Land und bei seinem Einzug zum großen Fest in Jerusalem, rufen den Lobpeis auf ihn, den Gesalbten Gottes, kraftvoll aus: „Gesegnet sei ER, der kommt im Namen des HERRN – hosianna“. – Einige Hochreligiöse schreiten ein: „Jesus, Meister, bring sie zur Vernunft, gebiete ihnen zu schweigen!“. Er entgegnet: „Wenn diese hier schweigen, dann werden die Steine schreien…“ (Lk 19, 37f)

Seit langem ‚beschäftigt‘ mich dieser Schlussvers im Palmsonntags-Evangelium nach Lukas. Wenn wir vor einem altehrwürdigen Gebäude stehen, einem Gotteshaus, einer Burganlage, auch angesichts eines Ruinenfeldes, dann sagen wir manchmal: Wenn diese Steine hier reden könnten, die wüssten wohl viele Geschichten zu erzählen, was hier alles geschehen ist, wer an diesem und jenem Ereignis wie beteiligt war… So will ich Steine, Erdreich zu Wort kommen lassen, die mit IHM und seiner befreienden, erlösenden Geschichte in Beziehung stehen:

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1. KALKSTEIN:  Als erster ergreife ich das Wort: ein Kalkstein. Solche gibt es in rauen Mengen am Geburtsort Jesu, in Betlehem. Die ganze Landschaft dort in Judäa ist vom Untergrund her aus diesem Stein gebildet. Und von einem erhöhten Aussichtpunkt –wie dem Herodeion- siehst du die ganze Gegend ringsum von solchen Steinen übersät. Also im wahren Sinn des Wortes ein steinreiches Gebiet, ähnlich wie in der westlichen Oberpfalz. — Betlehem hat auch den Beinamen Effrata, das heißt die „Fruchtbare“: Es gibt dort auch gute Erde, du kannst Äcker anlegen. Auch wenn du in den Wintermonaten meinst, bei all den Steinen kann doch nichts wachsen - jetzt im Frühjahr keimen die Getreidekörner in kurzer Zeit und die grünen Halme sprossen so stark in die Höhe, dass sie das steinige Erdreich überwuchern. — An den Abhängen und Hügeln um Bet-lehem wurden im Laufe der frühen Erdgeschichte durch Wasser und Wind Klüfte und Höhlen ausgeschwemmt. Darin haben die Hirten zu allen Zeiten mit ihren Tieren bei schlechtem Wetter oder in der Nacht Zuflucht gesucht. In solch einem ‚Stall‘ ist wohl auch Jesus geboren worden. Dass Gott selber in Jesus Christus zur Welt kommt, ist meine gute Botschaft, die ich euch gerne verkünde.

2. SANDSTEIN: Mich und meine Konsorten gibt’s auch hier in Mittelfranken - gestatten: ein Sandstein. Ich selber stamme aus der Wüstengegend auf der Sinai-Halbinsel. - Schon als Säugling musste sich Jesus mit den Eltern Maria und Josef auf die Flucht begeben, weil Lebensgefahr bestand. Der brutale König Herodes fürchtete um seine Herrschaft, denn die Leute sagten: ein königlichen Kind ist geboren. Da trachtete er den Kindern nach dem Leben. Josef brachte Maria und Jesus auf dem Rücken eines Esels durch die Sand– und Stein-Wüste Sinai in Sicherheit im Nachbarland Ägypten. Die Rettung, dass es da keine Einreiseverbote gab! - Der Sand erinnert auch an unsere Vergänglichkeit, wenn er durch die Finger rinnt oder durch eine Sanduhr läuft: Mensch, wie die Zeit vergeht“. 

3. HAUSSTEIN: Steine wie dieser wurden verwendet beim Bau unserer Kirche und vieler Häuser. Gut, dass wir ein Dach über dem Kopf haben - hier als Gemeinde Jesu und daheim mit unserer Familie und für alle, die uns besuchen. Niemand möchte gerne unbehaust sein; als Obdachloser zu leben ist oft herausfordernd und hart. - Jesus war mit seinen Leuten zu Hause in Nazaret; da kommt er her, da wächst er auf, da wird er groß. Da lernt er das Leben und die Hoffnung auf Gott. 85 % seines Lebens verbringt Jesus an diesem Ort. Die „Hauptadresse“ Jesu Christi und seines Gottes bei uns heute ist unser Alltag: da will er wohnen. - Wir danken für unsere vier Wände daheim. Und wir denken an alle, die auf der Suche sind nach einem guten Platz zum Leben.

4. BRUCHSTEIN (mit dem zog man früher Mauern hoch): Nicht weit von Nazaret entfernt liegt die uralte Stadt Sepphoris/ Zippori; sie wurde zur Zeit von Jesus, also vor 2000 Jahren, glanzvoll neu aufgebaut. Mit großer Sicherheit waren Jesus und Josef bei diesen Arbeiten dabei; das war ja ihr Beruf, den sie von jung auf gelernt hatten: Leute vom Bau waren sie. Zimmermann sagen wir oft, oder besser: Bauhandwerker; sie kannten sich gut aus mit Holz und mit Stein. - Wir wünschen, dass die Menschen eine Arbeit finden, die ihnen entspricht. Wir bitten, dass es  faire Löhne gibt, ein gutes Auskommen - hier bei uns und in der weiten Welt.

5. SALZSTEIN: Wenn du an diesem grauen Stein hier lutschen würdest, dann würdest du wahrscheinlich das Gesicht ziemlich verziehen; es ist ein Salzstein aus dem Toten Meer - von der anderen Seite des Steines siehst du die Salzkristalle blinken. Für viele Menschen mit Hautproblemen ist das salzgetränkte Wasser ein Heilmittel. -- An der Nordküste mündet der große Fluss Israels, der Jordan, in dieses Meer. Und nicht weit davon entfernt, in der Nähe von Jericho, liegt die Stelle, wo Jesus von Johannes getauft wurde. Mit vielen Menschen war Jesus dorthin gezogen, um im Vertrauen auf Gott zu wachsen und den Glauben an ihn zu erneuern, zu erfrischen. Bis heute ist für uns in der Gemeinschaft mit Jesus die Taufe das Eintrittszeichen in seine Gemeinde. Alle Furcht, alle Schlechtigkeit soll abgewaschen werden; wir empfangen die Zusage Gottes: er ist die „Quelle des Lebens“ - für uns und für alle Menschen, für die ganze Schöpfung.

6. KIESELSTEIN: Kieselsteine, wie du sie in großer Zahl findest an den Ufern des Sees Gennesaret. Er heißt auch See von Tiberias, nach der größten Stadt dort, oder auch Meer von Galiläa, weil er fast 25 km lang ist. An diesem See hat Jesus die ersten getroffen, die ihm zuhörten und nachfolgten, Maria Magdalena wahrscheinlich allen voran und die Leute vom Fischfang, die Brüderpaare Andreas und Simon Petrus, Johannes und Jakobus: „Kommt mit“, so spricht sie Jesus an, „ich will euch zu Menschenfischern machen.“ Und sie ziehen mit ihm los, begleiten Jesus und unterstützen ihn. Die Kirche nennen wir von diesen Anfängen am See her das „Schifflein Petri“. Wir sind mit dabei in dieser Gemeinschaft, und wissen uns im Glauben verbunden, mit allen, nah und fern und rund um die Welt in allen Himmelsrichtungen.

7. LAVASTEINE: Wir sind Steine, bei deren Entstehung es heiß und feurig zu-ging: wir kommen aus Gebieten, wo es früher Vulkane gab. Die stießen flüssige Lava aus, die allmählich erkaltete und versteinerte. Im Norden Israels Richtung syrische Grenze findest du solche Gesteinsarten, auf den Golanhöhen - du hast diesen Namen schon gehört aus Berichten über den Nahen Osten. Da wird gestritten: Wer ist der rechtmäßige Herrscher und Präsident, wem wollen und sollen wir folgen… Auch die Freunde Jesu überlegten: wer ist er eigentlich, können wir unser Leben auf ihn „bauen“, uns nach ihm ausrichten…? Simon Petrus ist davon überzeugt und bringt es auf den Punkt: „Du, Jesus, bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Er ist für Jesus Feuer und Flamme in dieser Situation, aber ein andermal ist seine Begeisterung schon verglüht und erkaltet: er streitet ab, Jesus überhaupt zu kennen. - Wie stehts bei mir: Bin ich heiß oder kalt in meiner Beziehung zu Gott oder „lau-warm“… Gut, dass ich nicht alleine da bin, sondern mit anderen: So können wir uns gegenseitig „anfeuern“ und bestärken im Vertrauen auf Gott. 

8. FELDSTEINE:  Wir Feldsteine reden davon, dass Jesus durchs Land gezogen ist, um die Menschen neu mit Gottes Güte in Berührung zu bringen; viele erfahren Heilung an Leib und Seele, sie spüren: In Gottes Augen bin ich wertvoll. Ich muss nichts Besonderes ‚aus mir machen‘. Mit meinem Alltag aus Glück und Not, aus Freude und Traurigkeit liege ich ihm am Herzen. - Manche „Steine“ sprich: Schwierigkeiten bringen mich dann und wann zum Stolpern oder ich komme sogar zu Fall – aber: Sei so frei und richte dich mit Gottes Hilfe wieder auf. Bitte IHN, dass er dir beisteht, aufrichtig und mit bereitem Herzen zu leben und anderen keine Steine in den Weg zulegen, vielmehr: Hindernisse aus dem Weg zu räumen und so einander voran zu helfen… Ganz am Anfang hatten die Christen deshalb folgenden Namen: Sie sind auf der Spur Jesu Leute der Hoffnung, „Anhänger eines neuen Weges“…

9. PFLASTERSTEIN:  Das ist ein schwieriges Pflaster, sagen wir, wenn wir in eine Situation geraten, wo wir nicht genau wissen, wie es ausgehen wird. So geht es Jesus, als er zum großen Fest am Palmsonntag nach Jerusalem zieht, in die Heilige Stadt. „Gepriesen sei er, der kommt im Namen Gottes, des HERRN“ rufen sie ihm da zu. Und wenige Tage später, nach dem Abendmahl, wird er verraten, verhaftet, unschuldig verurteilt: „Ans Kreuz mit ihm“, schreit dann die Menschenmenge. Zum Pflasterstein dazu: ein STEIN, den andere schon in der Hand hielten, um ihn auf einen Menschen zu werfen - das war die Geschichte vom letzten Sonntag. Jesus hat die Ehebrecherin vor der Verurteilung bewahrt, er hat sie davor gerettet, gesteinigt zu werden. - Auf seinem letzten Weg erleidet Jesus selber große Gewalt, er stirbt am Kreuz. Gegen den Hass setzt er die Liebe, statt Rache und Vergeltung übt er Verzeihung und schenkt Erbarmen. Gott-sei-Dank.

20190414 Stein110. ROLLSTEIN:  Ein runder Stein aus Styropor - in Wirklichkeit ist er fast doppelt so groß und wiegt in natura viele Zentner. Es ist ein Grabstein. Als der tote Jesus beerdigt wird, beigesetzt in einem Felsengrab, in einer Grabkammer, wird vor den Eingang solch ein schwerer Stein gerollt. Aus und Ende, dachten die Menschen, die Jesus nachgefolgt waren, jetzt ist es aus mit der Hoffnung, die wir auf ihn, den Sohn Gottes gesetzt hatten. Doch: Wo wir am Ende sind, da setzt Gott einen neuen Anfang. Wo sich mit unseren Augen gesehen der Weg des Lebens verliert in der Nacht des Todes, da schafft Gott einen Ausweg - aus dem Dunkel ins Licht, aus der Verzweiflung ins Vertrauen, aus dem Tod in die Fülle des Lebens. Als die Jüngerinnen und Jünger das Grab Jesu besuchen, ist der schwere Stein schon weggewälzt. Sie hören die Botschaft: „Ihr sucht Jesus? Er ist nicht hier, nicht im Tod. Gott hat ihn auferweckt. Er geht euch voraus. Er ist alle Tage bei euch - bis ans Ziel der Zeiten.

11. BAUKLÖTZE: Bauklötze, Bausteine, die Kinder gerne verwenden, sprechen zu-guter-letzt zu uns. Sie verkünden uns Worte aus den Apostelbriefen, da heißt es: „Lasst euch selber als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einem Lebensraum im Glauben. Das Fundament dafür ist gelegt, der Grundstein schon gesetzt: Jesus Christus selbst.“ Auf seiner Menschwerdung, auf seiner Hingabe bis zum Äußersten und auf seinem österlichen Sieg ruht unser schwacher Glaube auf. An IHM, unserem Heiland, machen wir uns fest und bauen miteinander an einer Welt im Frieden. Bei allen Problemen in der Kirche Gottes wünschen wir Bauklötze euch dabei auch eine spielerische Leichtigkeit, gutes Zusammenwirken, Phantasie und Zuversicht des Herzens. Amen.