„Aus GOTT geboren – bei IHM namentlich eingeschrieben“

- Gedanken zum Geburts- und Namenstag Marias

„Das Fest Mariä Geburt entstand im Orient, wahrscheinlich aus dem Kirchweihfest der St. Anna-Kirche in Jerusalem, die als Ort der Geburt Mariens gilt (die hl. Anna als Mutter Marias), nach anderer Überlieferung ist Maria in Nazaret geboren. Papst Sergius - um 700 n Chr. war er Bischof von Rom - nennt als die 4 Marienfeste, die in seiner Zeit gefeiert wurden: Verkündigung durch den Engel Gabriel, Marias Aufnahme in der Himmel, ihr Geburtstag und das Fest „Begegnung“ = Lichtmess.“ So ist es im Schott-Messbuch über den 8. September zu lesen - ein Kompendium mit allen Bibeltexten, Gebeten und Erläuterungen dazu für den Gang durchs Kirchenjahr. (1884 das erste Mal herausgegeben von P. Anselm Schott, Benediktiner in Beuron – in der damaligen Zeit der lateinischen Kirchensprache schon wollte er seine Mitchristen mit deutschen Texten ver-sorgen). Und über den 12.9., Mariä Namen, heißt es: „Wird nur im deutschen Sprachgebiet gefeiert; im römischen Generalkalender von 1970 wurde das Fest gestrichen, da es eine Doppelung zum Fest Mariä Geburt darstellt.“
 

-- Ich sehe das anders: Ich finds schön, mit dem Geburtstag der Maria und der Menschen um uns auch den Namenstag als besonderes "persönliches Datum" im Lauf eines Jahres wahrzunehmen; mit beiden Tagen wird Wichtiges erinnert und zum Vorschein gebracht - zum einen (Kinder singen es so in einem Ruf): „Ich freu mich, dass ich leben darf, dass man mir Leben schenkte“, zum andern: Ich bin nicht nur irgendwer für Gott und die Welt; vielmehr (auch in einem Liedvers ausgedrückt) „Ich trage einen Namen, bei dem der Herr mich nennt; du rufst mich in der Taufe, damit auch ihr mich kennt.“ Oder gilt das alte Sprichwort: Namen sind Schall und Rauch, ohne große Bedeutung, schnell dahingesagt...?

Mitte September gehts wieder los mit der Schule. Da steh ich dann in Reli vor „neuen Gesichtern“ in den dritten Klassen, ich selber so gespannt wie die Kinder in den Bänken; manche kenne ich gut, manche flüchtig, etliche sind "ganz  frisch" - eine hilfreiche Einrichtung, wenn da in der ersten Zeit Namensschilder vor jeder und jedem auf dem Platz stehen und du nicht bloß sagen musst: ‚Du da, der da hinten, nein, dich hab ich nicht gemeint, deinen Nachbarn...‘ Der Namen, mein Name macht mich kenntlich, ich werde einem anderen bekannt, Beziehung kann wachsen, ich tauche auf aus der Vielzahl... Oder: Besprechung an einer Kirchenbaustelle: Der Abgesandte aus Eichstätt kommt mir bekannt vor von den Gesichtszügen her, dass ich ihn aber in diesem Moment mit seinem Bruder verwechsle und den vor mir deshalb einige Male mit dem -falschen- Namen anrede, kommt mir erst, als er mir -leicht ungehalten- sagt: ‚So heiß ich nicht – das ist mein Bruder‘. - Ähnlich ja kleine Kinder, wenn du ihren Namen nicht richtig aussprichst oder ihn veränderst, um sie zu tratzen vielleicht, fallen sie dir ins Wort: ‚Nein, des stimmt nicht; ich heiße so und so...‘ Unser Name kennzeichnet uns, spricht von uns - einmalig wie wir sind, nicht austauschbar, ersetzbar, nicht einfach zum Aus-wechseln...Wenn ein Menschenkind in die Kirche gebracht wird zur Taufe, ist das die Eingangsfrage an Mutter und Vater: „Welchen Namen habt ihr Eurem Kind gegeben?“ In der Bibel scheint der Name etwas Entscheidendes zu sein, so dass du ohne Namen praktisch nicht existierst. Und ich weiß von manchen Menschen, die durch Wechselfälle des Lebens, durch viele Umbrüche in ihrer Biografie von ihrer Ursprungsfamilie entfernt sind, dass sie ihren Wurzeln, ihrem eigentlichen Namen auf die Spur kommen möchten.
 

Du hast einen Namen - vielleicht gefällt er dir gut, oder du könntest dir auch einen anderen vorstellen, oder du bist sogar unglücklich darüber, wie er "ausgefallen" ist - dann sei so frei, versuche dich damit auszusöhnen - ob so oder so, du bist ja eingeladen, unter diesem Namen dein Leben zum Klingen und Schwingen zu bringen, als Originalausgabe in dieser Welt, nicht als Kopie, mit diesem Namen (oder trotz dieses Namens) deine Bahn zu ziehen über diese Erde, durch schöne, durch mühselige Gefilde - dass dein Name einen hilfreichen Klang hat für diesen und jenen Menschen, dass er in deren Herzen ein Echo, einen Widerhall auslöst, einen vertrauenden, nicht einen erschrockenen... Du trägst einen Namen, den oder den - auf jeden Fall, du bist nicht nur eine Nummer für die Statistik, fürs Wählerverzeichnis, bist nicht ein Rädchen im Getriebe, du bist Person, beim Namen genannt, angesprochen, von anderen gemocht. Für alle diese Leute bedeutet dein Name nicht nur etwas aus dem Standesamtsregister oder Namenslexikon, sondern da steckst du drin, ein Mensch aus Fleisch und Blut, mit Verstand und Gefühlen, mit Leib und Seele. Und als dieser Mensch bist du von Gott gewollt, gerufen: „Jeden, der nach meinem Namen benannt ist, habe ich zu meiner Ehre erschaffen, geformt und gemacht“, so lautet die Zusage Gottes aus dem Mund des Propheten. Und aus der Schreibfeder des Psalmisten: „Deine Augen sahen, wie ich entstand, in deinem Buch des Lebens steht mein Name verzeichnet.“ (Psalm 139) --- Ich namentlich eingetragen in SEINEM Buch - von Anfang an und für immer - und was auch an Schicksal mir zuteil werden mag, kürzere oder lange Jahre, Notvolles, Beglückendes, Rätselhaftes, Gnadenglück und Sterbeleid - nichts Vergangenes und nichts Zukünftiges, keine Macht der Welt, ja nicht einmal der letzte böse Feind, der Tod, vermag meinen Namen aus dem Buch des Lebens zu löschen, zu tilgen, zu entfernen.
 

Neulich bei der hl. Messe im Seniorenheim Sägerhof haben wir uns unter den Mitfeiernden im Predigtgespräch ausgetauscht: Wie heiße ich; wie komme ich zu diesem Namen; wem habe ich ihn zu verdanken; was bedeutet er mir… Und: Wann wurde ich geboren – ich erinnere den Tag, die Stunde weißt du vielleicht auch; wo kam ich zur Welt; wie waren die Umstände meiner Geburt… Ein gutes Dutzend Leute waren wir nur - und welch eine Vielfalt von Erlebnissen und Situationen, die da ans Licht kam… echt zum Staunen. Und in vielen der Äußerungen verborgen die Zuversicht, dass da ER mit am Werk ist und auf dem Weg. „Bis die Gebärende einen Sohn geboren hat - er wird als Hirt für sie eintreten im hohen Namen unseres Gottes“, so im Buch Micha, 5, 1-4a - 20180908 Maria Namenund im Evangelium nach Lukas 1, 26-38: „Maria, du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären - den Namen Jesus sollst du ihm geben.“ -- Die Bibel kennt eine Fülle an Geschichten von Zeugung und Empfängnis, von Schwangerschaft - mit Wehen und Schmerzen, mit guter Hoffnung. Allen „frommen Glaubens-Zusätzen“ voran, so bin ich mittlerweile überzeugt, gibt Gott sich zu erkennen im Geheimnis der / unserer Menschwerdung, in unserem Werden und Wachsen. Eigentlich müsste eine Frau, eine Mutter uns dazu predigen - aus ihrem Empfinden im Schwanger-werden, und als es auf die Geburt zuging; von dem, was ein Kind bedeutet an Bereicherung, auch wie viel Zeit es braucht und wie stark es Kräfte bindet und entzieht. Und Eltern müssten sprechen, deren Wunsch nach einem Kind sich nicht erfüllt hat, von ihren Tränen, von ihrer inneren Wehmut – und vom Prozess, auf ihre Weise mütterliche und väterliche Menschen zu werden in unserer Welt. Und Leute müssten erzählen von der tiefen Not, wenn Leben heranwächst - und dann das Licht der Welt nicht erblicken kann.
 

Gott zeigt uns in der Menschwerdung Jesu, dass er das alles /alles mit uns teilt, uns innerlicher als wir uns selbst. Und ich denke, wir werden die Worte des lebendigen Gottes nicht recht verstehen, wenn wir uns nicht daran-machen, aufmerksam das LEBEN in uns und im anderen wahrzunehmen, uns da voran zu helfen und nicht mit vorgefassten Meinungen einander zu begegnen und mit fertigen Sätzen und seien sie hochreligiöser Art. Es gilt der Liedvers, den wir zum Geburtstag Jesu weihnachtlich anstimmen, den sing‘ ich aus Leibeskraft mit: „DICH wahren Gott ich finde / in meinem Fleisch und Blut. Darum ich fest mich binde / an dich, mein höchstes Gut.“ Ich schließe mit Zeilen, die mir vor langen Zeiten eine Freundin zu einem Geburtstag geschrieben hat; sie begleiten mich bis heute: „Unser Geburts-Tag ist nicht der eine Tag, an dem wir geboren wurden. Unser Leben hat viele Geburts-Tage und wir müssen oft geboren werden, ehe wir ganz Mensch werden. Immer wieder werden wir aufgefordert, Liebgewordenes zu verlassen, Grenzen zu überwinden, Neues zu beginnen. Unser Leben reift in vielen Wandlungen zu dem & der, den & die Gott gewollt hat, als er uns schuf.“

Amen.