Perspektiven in unübersichtlicher Zeit von Kirche und Welt

Gut vierzig Mitglieder der Priestergemeinschaft „Jesus Caritas“ trafen sich vom 26. bis zum 29. Dezember auf der Benediktushöhe in Retzbach. Das Weihnachtstreffen findet stets in den Tagen zwischen den Jahren und seit einiger Zeit in Retzbach statt. Jüngere und ältere Priester, der älteste war 88 Jahre alt, aus ganz Deutschland kommen jährlich nach den liturgisch intensiven Feiertagen zur Begegnung, zum Wiedersehen und Kennenlernen zusammen. Austausch, Gebet und Eucharistiefeier, gemütliches Zusammensein und die Beschäftigung mit einem Thema prägen die Tage. Die Priester von „Jesus Caritas“ lassen sich inspirieren von der Person und den Schriften des seligen Charles de Foucauld (1858-1916), auch Bruder Karl genannt, und sind als Diözesanpriester tätig. Die Priestergemeinschaft und andere im Geist von Foucauld entstandene Gemeinschaften sind weltweit verbunden als „Geistliche Familie Charles de Foucauld“.

20181228 TreffenRetzbach 

Geistliche Frauenpower. Oder: Prophet/inn/en sind wir alle!

Predigtgedanken zu Lk 2, 39-48.56

4.Advent - es geht auf das Fest der Geburt Jesu zu, es geht ins Finale dieser adventlichen Kirchenjahreszeit der Bereitung und Erwartung - und das nicht unbedingt sehr "staad". Ich meine jetzt nicht den Stress, den manche derzeit haben, von einer Feier, einer Besinnung hin zur nächsten - oder durch all die Besorgungen, Vorbereitungen dieser knappen Zeit - morgen schließt sich schon der Heilige Abend an... Nein, ich meine die bewegte Atmosphäre, die in der biblische Urkunde selbst herrscht in den Geschichten, die uns da adventlich begegnen, begleiten, zu Ohren und Herzen gehen wollen: Viele sind da unterwegs - die einen vom Himmel zur Erde, die angeloi Gottes, die Engel: der Gabriel; die Verkündigungsengel auf den Fluren bei den Herden mit Botschaften für unsere Erde. Und Menschen brechen auf, ziehen los: Scharenweise aus Stadt und Land hinaus an den Jordan zu Johannes. Und eine junge Frau aus Nazaret: sie macht sich auf den Weg ins Bergland von Judäa. -- Im Blick auf sie und mit ihr gleichsam wollen wir jetzt einige Schritte gehen entlang dieses Evangeliums, um uns heranzutasten ans Geheimnis des Glaubens, das uns mit neuem, hellem Licht aufstrahlen möchte in diesen Tagen: Der große Gott kommt zur Welt in seiner Sehnsucht, bei uns zu wohnen... 

Rorate-Gedanken

ANLIEGER FREI

Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja wurden uns in der Lesung zugesprochen (Jes 40,1-5), wir sollten eher sagen - aus dem Buch der Propheten mit dem Titel „Jesaja“, denn in dieser Schrift des Alten/Ersten Testamentes lassen sich auf jeden Fall drei verschiedene literarische Schichten, Überlieferungen aufspüren. Mit den gehörten Zeilen beginnt der „zweite Jesaja“, die Kapitel 40 bis 55, das sog. Trostbuch, darin Verheißungen für das Volk Israel in schwerer Zeit - weggeführt nach Osten durch die arabische Wüste bis ins Land Babylon, in die Verbannung, ins Exil, mitten unter Leute mit fremder Sprache, anderer Kultur und Religion. Und die Menschen Israels, verschleppt aus ihrer Heimat, dem Gelobten Land, jetzt Randfiguren an unbekanntem Ort, im Abseits gelandet - viele empfinden ihre Lage so: ausweglos. 

Nikolaus von Bari, ein Brückenbauer

Nikolaus von Bari, Brückenbauer über Meer und Land, zwischen Erde und Himmel

Nikolaus-Predigt zum Patrozinium am 8./9. Dez. 2018

(siehe Bild 1 zum nachfolgenden Text)   „Ein Herz, das stets an andre denkt hat Gottes Güte dir geschenkt. Durch deine Hand, Sankt Nikolaus, teilt Gott uns seine Gaben aus.“ (GL 877) Heilige sind Menschen, in denen die Frohe Botschaft Hand und Fuß bekommt, in denen das Wort –nach dem Beispiel Jesu selber– Fleisch wird, Gestalt gewinnt, unter konkreten Umständen an Zeit und Raum ablesbar wird. Wie bei der Zeitenwende Johannes der Täufer, so ist Nikolaus am Beginn des 4. Jahrhunderts ein Wegbereiter für Gott und seinen Messias: „Bahnt einen Weg der Menschlichkeit, baut eine Straße, einen Zugang zu Gottes reichem Erbarmen—denn alle Welt soll das Heil schauen, das von Gott kommt.“ (Lk 3,4-6) Von seinen Eltern her war Nikolaus mit Wohlstand versehen; dieses Hab und Gut brachte er solidarisch unter die Leute, wo und bei wem es not-tat, bei Klein und Groß, Jung und Alt. „confessor“, „Bekenner“ nannten ihn seine Zeitgenossen, weil er in der letzten Christenverfolgung unter Kaiser Galerius um das Jahr 310 seinen Glauben an den drei-einen Gott auch unter der Folter bekannte und auf dem Konzil von Nizäa 325 das Credo-Dokument mit seinem guten Namen unterschrieb.