Rorate-Gedanken im Advent

ANLIEGER FREI

Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja wurden uns in der Lesung zugesprochen (Jes 40,1-5), wir sollten eher sagen - aus dem Buch der Propheten mit dem Titel „Jesaja“, denn in dieser Schrift des Alten/Ersten Testamentes lassen sich auf jeden Fall drei verschiedene literarische Schichten, Überlieferungen aufspüren. Mit den gehörten Zeilen beginnt der „zweite Jesaja“, die Kapitel 40 bis 55, das sog. Trostbuch, darin Verheißungen für das Volk Israel in schwerer Zeit - weggeführt nach Osten durch die arabische Wüste bis ins Land Babylon, in die Verbannung, ins Exil, mitten unter Leute mit fremder Sprache, anderer Kultur und Religion. Und die Menschen Israels, verschleppt aus ihrer Heimat, dem Gelobten Land, jetzt Randfiguren an unbekanntem Ort, im Abseits gelandet - viele empfinden ihre Lage so: ausweglos. 

Dahin hat der Prophet auszurichten, unüberhörbar: „Eine Stimme ruft: Bahnt einen Weg für JAHWE, den Ich-bin-da, baut in der Steppe eine Straße für unseren Gott!“ Wofür: Dass seine Menschen aufbrechen und losziehen können: aus der Fremdherrschaft in die Freiheit, aus dem Elend in die Zuversicht. Ein ‚Straßenbauprojekt‘ gewaltigen Ausmaßes - geographisch geht’s durch die Wüsten und Weiten heutzutage des Irak, Syriens und Saudi-Arabiens. Mitten im unwegsamen Gelände, in der Steppe soll eine Route entstehen, ein HeimWeg des Trostes und des Aufgerichtet-werdens aus aller Misere. Das ist das Herzensanliegen Gottes - eine ‚Hoch– und Tiefbaumaßnahme der Befreiung‘: „jedes Tal soll sich heben“ - wo du ganz unten bist, Mensch, erheb deine Augen, erheb dein Herz und sieh sein Antlitz, das er dir zuneigt; jeder Berg und Hügel des Hochmuts, der Überheblichkeit, des Von-oben-herunter-herrschens, des Selber-groß-tuns soll sich senken und zur Ebene werden - Gott regiert nicht majestätisch, er ist so frei und erniedrigt sich, begibt sich auf unsere Ebene, geht zu uns gleichsam auf Augenhöhe - und lädt auch uns dazu ein; besser ruft uns dazu auf. 

20181214 AnliegerfreiStraßenbaumaßnahme in der Talstraße in unserem Ortsteil Sorg: Kabel werden verlegt für eine gute Kommunikation, die Wasserrohre wurden erneuert für die Versorgung mit dem lebensnotwendigen Nass - die Durchfahrt war zeitweise für den Verkehr gesperrt. Die Ausnahme: ‚Anlieger frei‘. Ganz hinten im Bild siehst du die Sorger Kapelle - bis zu der konnte man immer gelangen - ein starkes Symbol, so spürte ich: Leute mit Anliegen haben freien Zugang zum Haus und zum Herzen Gottes. GebetsAnliegen bewegen uns persönlich und in jeder Zusammenkunft als Gemeinde Gottes: Anlieger frei, eine Straße, ein Weg in die Zukunft ist gebahnt durch sein Erbarmen. Da wirst du nicht ‚umgeleitet‘, wirst nicht abgewiesen, musst keine ewige Umgehungsstrecke entlang-zuckeln. Die Stimme des Jesaja ruft es jetzt im Advent uns und allen Mächtigen der Welt, in den Religionen und Kirchen zu: Ermöglicht Schritte der Hoffnung, errichtet keine heiligen Sperrbezirke, haltet die Menschen in ihrem Suchen und Sehnen nicht auf Distanz, schafft aktiv Wegstrecken hin zu Versöhnung und Angenommen-sein, füllt die Täler alter Schuldigkeiten und Ressentiments auf, senkt die überhohen Latten an Zugangsberechtigung, damit Menschen sich nicht abgedrängt fühlen, vielmehr auf ihrer Lebensreise Gottes Heil schauen dürfen: Anlieger sind bei IHM frei.

Im Evangelium nach Lukas (Lk 3,1-6) nimmt der Rufer in der Wüste zur Zeitenwende, Johannes der Täufer, die Worte des zweiten Jesaja wörtlich auf: „Ebnet eine Straße für unseren Gott, macht den Weg bereit für den HERRN.“ Er, Johannes ist der Wegmacher - das ist in der Straßenmeisterei der alte Name für jene, die für ein sicheres Unterwegssein dienstbar sind: Abflussgräben ausputzen, Hemmnisse von der Straße entfernen, Schilder richtig aufstellen, Gefahrenstellen entschärfen… Johannes bereitet das Ankommen DESSEN, der Gottes großes Projekt entscheidend voranbringt: „Alle Welt soll sehen, dass Gott die Rettung bringt.“ Und so heißt er auch: JESUS - in der hebr. Wortwurzel Jeschua ein Namensvetter des Jesaja—auf gut deutsch: JAHWE der Ich-bin-da RETTET. Er, Jesus, ist für uns der Weg, die Wahrheit und das Leben. 

 

„OBEN UND UNTEN SIND ANEINANDER GEBUNDEN“

- ein Wort des jüdischen Gottsuchers und Philosophen Martin Buber. Diesem Motto scheint der König von Juda mit Namen Ahas aber nicht zu trauen, keinen Glauben zu schenken. Er will von Gott nichts erbitten - weder von unten aus der Tiefe noch von oben aus der Höhe. Was diesen Lesungstext aus Jesaja (Kap. 7,1-14) betrifft: Wir schreiben das Jahr 735 vor Chr. Das Hl. Land war bereits in zwei Teile zerfallen: König Ahas, der Herrscher des Südreichs, Juda genannt, und mit ihm das davidische Könighaus von Jerusalem waren in größter Gefahr: die nördlichen Nachbarn, Aram -der alte Name für Syrien- und Israel/Ephraim, so hieß das Nordreich, wollten Ahas absetzen, weil er ihrem Bündnis gegen Assyrien nicht beitreten wollte und einen gefügigen Nachfolger einsetzen (‚den Sohn des Tabeal‘). - Die größere Gefahr aber kommt –so ist der Prophet Jesaja überzeugt- nicht von außen, sondern von innen: vom Unglauben des Königs und seiner Berater. Nicht von Gott erwarten sie Orientierung und Hilfe, sondern von den Assyrern, den Militaristen des Alten Orients. Jesaja und sein Sohn Schear-Jaschub werden zum König geschickt - mit einer Mahnung: „Bleib ruhig und fürchte dich nicht“; und die Verheißung: „Was die Feinde planen, kommt nicht zustande“ - die so groß tun und sich mächtig gebärden sind nichts als rauchende Holzstummel, ein ‚mords Qualm‘ und nichts dahinter. 

Aber die Verheißung hat eine Bedingung: den Glauben, das absolute Vertrauen, dass Gott die Seinen nicht im Stich lässt. Ahas entwindet sich dieser Herausforderung: „Ich will den HERRN nicht erproben und kein Zeichen von ihm erbitten…“ - Jedoch: ER, JAHWE selbst schenkt es: „Die junge Frau wird einen Sohn gebären“ - einen Spross, einen Sprössling aus der ‚Wurzel Jesse‘, aus dem Hause und Geschlechte Davids. Der Evangelist Matthäus wird diese Zusage im Blick auf das Kind der Maria und dessen Geburt in der Davidsstadt Betlehem lesen… (Mt 1,20-23) 

Ein abendliches Straßenbild aus Nürnberg - nordwestlich der Kaiserburg Kreuzung Bucher Str./ Jagdstraße - immer rollt in dieser Ecke der Stadt der Verkehr, rein und raus, zur Arbeit und heim, zum Einkaufen und nachhause transportieren, zu Events und Veranstaltungen. 20181214 Rorate2Manchmal geht’s zügig, ein andermal staut sichs, manchmal dauernd Rot, so empfindest du es, es will nichts vorangehen / und zu anderen Zeiten „grüne Welle“, es flutscht - wie im Leben. -- Ahas sucht in seiner Bedrängnis Strippen zu ziehen, andere Koalitionen zu schmieden - er ist Realpolitiker - Zeichen von oben, nonsense! Oder: Spirituell die Welt retten - nicht wirklich, wo denn und wie denn, Kraft von oben - was ich nicht sehe, kann ich nicht glauben… Daneben derselbe Straßenzug zwei Stunden früher bei Tageslicht fotografiert – da siehst du das Elektrizitäts-Netzwerk, das über dem fließenden Verkehr ausgespannt ist und von dem die Straßenbahn abnimmt, was sie braucht. Eine andere Dimension, eine Sichtweise bei der du Augen erheben musst - und du siehst, dass noch andere Energiequellen parat sind, „von oben her fließen“, auf den ersten Augenblick nicht gleich wahrzunehmen. Will mir sagen: Neben all dem, was uns selber möglich ist oder ich sage lieber: in all dem, was ich vermag ist SEINE Geistkraft mit am Werk und kommt noch besser zum Zug, wenn ich meine ‚inneren Stromabnehmer‘ daraufhin bewusst ausrichte und diesen GnadenStrom erbitte und mich nicht wie weiland Ahas mit elender Selbstbehauptung abfinde: „Nein, ich will nichts erbitten“, packs aus eigener Kraft allein, will niemandem zu Dank verpflichtet sein - als ob das Leben nicht bei jedem Atemzug und Herzschlag ein Geschenk wäre, immer neu… ‚Alternative Energien aus der Welt Gottes‘ sind gefragt, können beitragen zu einer ‚geistlichen Energiewende‘ auf Erden - von der zerstörerischen Gewalttätigkeit zum heilenden Einsatz, von düsterer und dumpfer Angst hin zum Vertrauen, dass es gemeinsam zu stemmen ist, miteinander voranzukommen auf der Fahrt des Lebens. „Oben und unten sind aneinander gebunden“ - so Martin Buber. „Wer mit den Menschen redet ohne zu Gott zu rufen, dessen Wort vollendet sich nicht. Wer mit Gott spricht ohne mit den Menschen zu teilen, dessen Weg geht in die Irre.“

MK

Nikolaus von Bari, ein Brückenbauer

Nikolaus von Bari, Brückenbauer über Meer und Land, zwischen Erde und Himmel

Nikolaus-Predigt zum Patrozinium am 8./9. Dez. 2018

(siehe Bild 1 zum nachfolgenden Text)   „Ein Herz, das stets an andre denkt hat Gottes Güte dir geschenkt. Durch deine Hand, Sankt Nikolaus, teilt Gott uns seine Gaben aus.“ (GL 877) Heilige sind Menschen, in denen die Frohe Botschaft Hand und Fuß bekommt, in denen das Wort –nach dem Beispiel Jesu selber– Fleisch wird, Gestalt gewinnt, unter konkreten Umständen an Zeit und Raum ablesbar wird. Wie bei der Zeitenwende Johannes der Täufer, so ist Nikolaus am Beginn des 4. Jahrhunderts ein Wegbereiter für Gott und seinen Messias: „Bahnt einen Weg der Menschlichkeit, baut eine Straße, einen Zugang zu Gottes reichem Erbarmen—denn alle Welt soll das Heil schauen, das von Gott kommt.“ (Lk 3,4-6) Von seinen Eltern her war Nikolaus mit Wohlstand versehen; dieses Hab und Gut brachte er solidarisch unter die Leute, wo und bei wem es not-tat, bei Klein und Groß, Jung und Alt. „confessor“, „Bekenner“ nannten ihn seine Zeitgenossen, weil er in der letzten Christenverfolgung unter Kaiser Galerius um das Jahr 310 seinen Glauben an den drei-einen Gott auch unter der Folter bekannte und auf dem Konzil von Nizäa 325 das Credo-Dokument mit seinem guten Namen unterschrieb. Pilger war er ins Hl. Land auf den Spuren Jesu - die Christen seiner Stadt Myra wählten ihn dann zu ihrem Bischof; scheinbar hatten die Kirchenobrigkeiten damals noch mehr Zutrauen in den ‚sensus fidelium‘, in den Glaubenssinn der Gläubigen an der Basis. 20181208 NikolauspredigtSeine Verehrung als Freund Gottes begann bereits im 6.Jhdt und zog Kreise über Kleinasien und den Nahen Osten weit hinaus - hin zu den slawischen Völkern bis nach Russland: dort wird er seit alters her als Patron von Land und Leuten um seine Fürsprache angerufen. Wir sehen eine russische Ikone - Nikolaus ist unter den Freundinnen und Freunden Gottes einer der Großen.

Eine Kaiserin aus dem byzantinischen Raum, der heutigen Türkei, Theophanu, die Frau des dt. Herrschers Ottos II., brachte sein Andenken herüber nach Westeuropa. (Bild 2) „Verstärkt“ wurde seine Bekanntheit dadurch, dass am 9. Mai 1087 seine Gebeine aus Myra nach Süditalien in die Hafenstadt Bari gebracht wurden – „translatio“, „Übertragung, Überbringung“ nennen fromme Quellen dieses Ereignis; historisch ist eher richtig, dass süditalienische Kaufleute seine Reliquien raubten und mitnahmen, wohl darauf hoffend, dass mit der geistlichen Anziehungskraft –eine eigene romanische Basilika San Nicola wurde für die Pilger errichtet– auch ein wirtschaftlicher Vorteil für die neue Metropole Bari zu erwarten war. (Bild 3) „Nikolaus“ wurde zum Schutzpatron unzähliger Kirchen und Gemeinde in Ost und West erwählt –bis zu uns her– und sein Name kam im Lauf der Zeiten in vieler Leute Mund. Die Sprachwissenschaftlerin Kathrin Dräger an der Uni Freiburg hat festgestellt, dass sage und schreibe an die tausend verschiedene Nachnamen in irgendeiner Form mit dem hl. Nikolaus zu tun haben - eine stolze Zahl, die uns von der christlichen Grundierung unserer Kultur spricht. Der Bezug ist dabei in den seltensten Fällen so offensichtlich wie bei den Familiennamen Klaus oder Klaasen mit C oder K; unser Heiliger steckt auch drin in Nickel, Klose, Nitsche usw.– auch in der Schwarzbrotsorte Pumpernickel. Und sogar –das wird die Anhänger der ‚säkularen Weihrauchopfer‘ interessieren– das Nicotin hat da seine Wurzeln - benannt nach einem französischen Gesandten namens Nico, der den Tabak in unserem Nachbarland eingeführt hat. 

(Bild 4) Über all dieser „weltlichen Verbreitung“ blieb die spirituelle Ausrichtung des heiligen Bischofs und Menschenfreundes ungebrochen - seit ältesten Zeiten und durch die Jahrhunderte bis in unsere Tage machten und machen sich Glaubende und Suchende auf den Weg zu seiner Grabeskirche an Italiens Küste, bitten um seine Fürsprache, wollen sein Beispiel der Güte und Zuwendung aufnehmen. -- In diesem vergangenen Sommer begab sich Papst Franziskus dorthin - und er lud die Kirchenführer der östlichen Kirchen ein für den 7. Juli, um bei einem Tag des Gebetes und des Austausches Frieden zu erbitten für den von Krieg und Gewalt, von Terror und Not gezeichneten Nahen und Mittleren Osten. (Bild 5) Die Einwohner von Bari und der Region Apulien hatten sich für diese internationale Begegnung vorbereitet und machten sich in großer Zahl auf die Beine, über 10.000 Menschen, um mit ihrer Teilnahme und Mitfeier dem Anliegen, der Sehnsucht nach Gerechtigkeit und einem Ende des Schreckens starken Ausdruck zu verleihen - ein herzliches Willkommen wurde dem Papst und allen Gästen aus Nah und Fern bereitet!  Schade, dass die weltweite und deutsche Presse nicht sehr viel Notiz nahm von dieser grenzüberschreitenden Geste guten Willens angesichts der unsäglichen Leiden vieler auf unserer Erde. (Bild 6) Die geistlichen Oberhäupter der östlichen Christenheit –ansonsten vor Ort auch nicht immer ein Ausbund von brüderlichem Miteinander– sie machten sich auf den Weg, überstiegen die Unterschiede und Ressentiments unter ihren Konfessionen und einten sich in der Hirtensorge für die ihnen Anvertrauten. Eine vielfältige Gemeinschaft fand sich zusammen; ich habe gestaunt über den Reichtum der orientalischen Kirchen und Bekenntnisse, die sich oft zurückführen weit ins erste Jahrtausend der einen Christenheit und schon auf der Spur Jesu waren, als unsere Vorfahren noch Heidenangst hatten vor ihren Götzenbildern. 

(Bild 7) An der Uferpromenade von Bari fand die Andacht statt, direkt am Meeresstrand war eine Art Zeltdach aufgespannt - und gleichsam hinüber über die Wellen und Wogen des Mittelmeeres erklang es in vielen Sprachen, eindringlich auch auf arabisch: „Vom Nil bis zum Jordantal und weiter über den Orontes bis zum Tigris und Euphrat ertöne der Ruf des Psalms: ‚In dir sei Friede‘ (Psalm 122,8). Für die leidenden Brüder und Schwestern und für die Freunde jedes Volkes und jeden Glaubensbekenntnisses wiederholen wir: In dir sei Friede! Mit dem Psalmisten bitten wir darum besonders für Jerusalem, die Heilige Stadt, die von Gott geliebt und von Menschen verletzt wird, über die der Herr immer noch weint: In dir sei Friede!“ Papst Franziskus - an seiner Seite der orthodoxe Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel und der koptische Papst Tawadros von Ägypten - wörtlich: „Das ist der Schrei vieler Menschen, der Abels von heute, der zum Thron Gottes aufsteigt. Um ihretwillen können wir es uns – im Nahen Osten wie auch sonst überall auf der Welt – nicht mehr erlauben zu sagen: Bin ich der Hüter meines Bruders? Gleichgültigkeit tötet, und wir wollen eine Stimme gegen diese todbringende Gleichgültigkeit sein.“ so Papst Franziskus (Bild 8) Am 7. Juli ging dort an Italiens Südküste ein heftiger Wind - ich musste denken an den pfingstlichen Sturmesbraus, an die Kraft des Heiligen Geistes, der weht wo er will und ich dachte mir, auf den Flügeln des göttlichen Windes möge dieser Schrei nach Frieden und Versöhnung, die Bitte um Respekt und gegenseitige Achtung von Mensch zu Mensch hinüber gelangen nach Syrien, das seit 7 Jahren unter dem bedrückenden Schatten des Bürgerkrieges und der bewaffneten Konflikte liegt, jenes Landes, in dem die junge Kirche des Anfangs Zuflucht fand, in Damaskus, in Antiochia und sich inkulturierte in das Denken und Empfinden und Handeln der Menschen und sich von dort ausbreitete, schließlich vom Morgenland die Brücke schlug herüber ins Abendland und uns in Berührung brachte mit der Glut des Evangeliums, die lebendig zu halten uns allen aufgetragen ist von Taufe und von Firmung und Konfirmation her.

(Bild 9) Nach dem Gebetsgottesdienst versammelten sich die Bischöfe und Verantwortlichen von über 20 kirchlichen Gemeinschaften, darunter eine Frau, eine Lutheranerin in der Männerrunde, in der Basilika San Nicola, um aus erster Hand von den Leiden und den Hoffnungen der Anwesenden und ihrer Gemeinden zu erfahren, um sich zu verbünden und Schritte miteinander abzusprechen. Die Bänke im Kirchenschiff waren zu diesem Anlass extra ausgeräumt worden – so hatten ihren ebenbürtigen Platz im Kreis, es gab nicht ein „Oben und unten“, nicht ein „Vorne und hinten“ - (das ist übrigens ein heimlicher Wunsch von mir, wenn ich noch eine Kirche neu einzurichten hätte) - eine geschwisterliche Tischgemeinschaft. -- Unsere Gebäulichkeiten hier vor Ort einladend und zugänglich für viele zu halten ist ja auch das Anliegen unseres Fördervereins St. Nikolaus, der just in diesen Tagen auf 10 Jahre seiner Aktivität zurück schauen kann. -- Und ich habe aus den Berichten erfahren, dass der Orden der Dominikaner San Nicola betreut und dort das große ökumenische Zentrum Italiens unter der Ägide des Hl. Nikolaus führt - eine starke Ermutigung für uns als Pfarrgemeinde St. Nikolaus, auf dem Feld der Ökumene vorne bei den ersten dabei zu sein und nicht unter ferner liefen nachzuzuckeln. Warum: Damit über unsere Kirchenräume hinaus >> alle Menschen das Heil sehen können, das von Gott kommt. << - Gebe es Gott! Amen.

MK

„Die Vier auf dem Millenniumsstab“ - Gedanken zum Gedenken aller Heiligen

Unsere Vier vor Ort aus der Schar der Freundinnen und Freunde Gottes

20181111 Millenniumsstab„Ladys first“ gilt hier in der Predigt, während ja ansonsten in unserer Kirche die ersten Positionen männlich besetzt und dominiert sind. Mein Name ist Achahildis von Wendelstein und an diesem Zusatz könnt ihr schon erkennen, dass ich aus adeligem Haus komme; eigentlich müsste ich den Zusatz von Kornburg haben, denn von dort her stamme ich und die Gebäulichkeiten unseres Geschlechtes sind ja bis heute dort zu sehen. Bekannt wurde ich in der Weggemeinschaft des Volkes Gottes, weil ich mir auf meine blaublütige Herkunft nichts einbildete, nicht ‚groß tat‘, sondern dem Beispiel Jesu zu folgen suchte; er lädt uns ja ein, mit unserem Gut und unseren Gaben einander zu dienen, besonders den Geringsten unserer Schwestern und Brüder. Und so gehöre ich in die Reihe jener Frauen meiner Zeit um das Jahr 1200, die wie ich weltlichen Ruhm zurück ließen und den Weg der Hingabe einschlugen, wie Elisabeth von Thüringen, Hedwig von Schlesien, Agnes von Böhmen, Klara von Assisi und viele andere. Weil mein Wirkungskreis hier auf die Gegend beschränkt war, ist auch mein Bekanntheitsgrad nicht so groß - so werde ich offiziell nicht ‚heilig‘ genannt, sondern als eine Selige angerufen. Mit dem Erbe, das mir zufiel, habe ich die Wendelsteiner Kirche gestiftet und diesen Bau finanziert, der dann den Namen des hl. Georg bekommen hat. Nach meinem Tod wurde ich dort auch zur letzten Ruhe gebettet und als im Lauf der Zeiten viele mein Grab besuchten, um mir die Ehre zu erweisen und meine Fürbitte anzurufen, wurden meine Gebeine dann ‚zur Ehre der Altäre erhoben‘, wie man mit einem alten Wort sagt, d.h. ich wurde öffentlich zum Kreis der Freundinnen und Freunde Gottes hinzu gezählt. Mein Steinsarkophag bildet heutzutage die Altarmensa, also den Tisch Gottes in dieser jetzt evangelischen Kirche. -- Erzählt wurden durch die Zeiten hindurch Geschichten aus meinem Leben, in denen die kleinen Leute die große Rolle spielten. So habe ich eine Dienstmagd vor der Verurteilung gerettet, weil sie aus lauter Not eine Gans hatte mitgehen lassen. Das erklärte ich als Mundraub, um den Hunger zu stillen und nicht als einen Diebstahl. Du siehst das Federvieh deshalb als mein Attribut - und die Sauerkirschen dazu, die gab es einmal zu ungewöhnlicher Zeit, nämlich im November, für eine schwangere Frau, die stark danach gelüstete. Oft geht es ja nicht um die Erfüllung riesiger Träume, sondern kleiner Wünsche, die einen Menschen glücklich machen und ihn im Gang des Alltags aufleben lassen. So bin ich für Euch ein lebendiges Zeichen, dass Heiligkeit und Gottvertrauen und Menschenliebe nicht für außergewöhnliche Helden gedacht ist, sondern im gelebten Leben Tag für Tag gewagt werden will. Und das an dem Platz und in dem Lebensraum, der dir von Gott zugedacht ist.

„In der Liebe zu den Armen / hat das göttliche Erbarmen / heil’ger Frauen Herz berührt. / Wer an Gott sich hat gebunden, / hat den wahren Schatz gefunden, / der ins Himmelreich uns führt.“ (‚Gotteslob‘ Nr. 887  6.)

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‚Heilige Krieger‘, wie sie sich selber nennen, und Kämpfer Gottes kennt Ihr auch in eurem 21. Jahrhundert; meistens denkt Ihr eher mit Schrecken und Furcht an solche Gestalten, die ihre Energie und ihre Waffen einsetzen, um andere niederzumachen, sie in Lebensgefahr oder gar Todesnot zu bringen. -- Auch ich war ein heiligmäßiger Streiter und tapferer Ritter, aber nicht ge-gen andere, sondern für sie und zu ihrem Heil. Die Überlieferung erzählt, dass ein furchteinflößender Drache sein Unwesen trieb und weder Mensch noch Tier schonte - ein Sinnbild also des Bösen in seinen vielerlei Formen. Ich nahm meinen Mut zusammen und stellte mich ihm entgegen -- getragen von der Sympathiewelle der Menschen und dem Be-istand Gottes konnte ich die Gefahr besiegen und das Unheil überwinden. Land und Leute atmeten auf. Und so wurden mir durch die Jahrhunderte hindurch viele Kapellen und Kirchen geweiht und ganze Ortschaften benannten sich nach mir, wie bei euch in der Nähe ‚Georgensgmünd‘. Im Fränkischen trugen viele meinen Namen und umgangssprachlich heißen sie ja „Schorschla“; du spürst daran schon, dass ich kein bedrohlicher, sondern ein freundlicher und hilfreicher Schutzpatron bin. -- Möchten doch auch in eurer Zeit all jene, die durch Gewalt und Terror den Ton angeben wollen, sich bekehren zum guten Kampf: Böses nicht mit Bösem vergelten, dem Frieden nachjagen, der Unterdrückung und Menschenverachtung Einhalt gebieten, Gott die Ehre geben. Oder mit den Worten aus dem Epheserbrief: „Zieht die Gerechtigkeit als Brustpanzer an, greift nach dem Glauben als eurem Schild; lasst euch das Schwert geben, das der hl. Geist euch schenkt - es ist das Wort Gottes.

„Der in heiligen Personen / will als Heilger bei uns wohnen, / uns zu seinem Volke macht: / Ihm, dem HERRN sei Lob gesungen / mit des Heilgen Geistes Zungen / uns in Christus dargebracht.“ (‚Gotteslob‘ Nr. 887  8.)

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Gestatten, mein Name ist Nikolaus von Myra. Nachdem sich der Kirchenpatron in der alt-ehrwürdigen Nachbarschaft, der heilige Ritter Georg, in den reformatorischen Sturm-und-Drang-Zeiten auf die Seite der Protestanten geschlagen hat, mussten sich die Katholischen damals in Wendelstein beim Bau ihrer kleinen Holz- und Fachwerkkirche, 1895 war das, einen neuen Namenspatron suchen. Warum die Wahl auf mich fiel? Die Katholiken vor gut 120 Jahren waren hauptsächlich Zugereiste, nicht groß bemittelt, und da gab es die Chance im fränkischen Oberland, in Mitteleschenbach, eine Kirchenausstattung günstig zu erwerben. Dort hatten sie sich für ihr Gotteshaus eine neue Kircheneinrichtung zugelegt und die altgediente wanderte preiswert samt dem Patronat St. Nikolaus in unsere Gefilde hier. Seitdem begleite ich die Ortschaft und die Menschen hier als ein Freund der Kinder, als ein Wohltäter und Helfer der Armen und Bedürftigen und als ein Gottsucher. -- Gelebt habe ich ja Anfang des 4. Jahrhunderts; meine Heimat war Myra, eine Hafenmetropole in der heutigen Türkei. Als dort in dieser Bischofsstadt ein neuer Seelsorger und Hirte gesucht wurde, fiel die Wahl auf mich - wohlgemerkt, es war die Entscheidung der Christen vor Ort, kein Kommando aus Rom. -- Mein Abzeichen ist der Hirtenstab, der erinnert an den Psalm 23: „Dein Stecken und Stab, Herr, die trösten mich.“ Mein Kopfschmuck ist die Mitra; das war damals eine modische Kopfbedeckung vieler Leute, die sogenannte ‚phrygische Mütze‘, die hat sich in der kath. Kirche in den oberen Rängen bis heute gehalten. In meiner Hand der gemeinsame Grundwortschatz unseres Glaubens, die Heilige Schrift, die unsere Hoffnung nährt und unsere Liebe zum Nächsten herausfordert. Zeichen für diese Liebe und Zuwendung sind bei mir die drei Äpfel bzw. goldenen Kugeln: Einem bitterarmen Vater, alleinerziehend, habe ich des Nachts für seine drei heranwachsenden Töchter jeweils eine solche Mitgift aufs Fensterbrett gelegt, als Grundstock für ihre Ausbildung und eine gute Zukunft. Das war aus dem Vermögen, das ich von meinen Eltern geerbt hatte. Solche ‚Beihilfen‘ müssen wir ja nicht am helllichten Tag vor uns her posaunen. --- Heutzutage gibt’s an meiner Seite etliche vorweihnachtliche Gestalten, wie Pulzamärtl, Knecht Rupprecht, der Weihnachtsmann… Im Unterschied zu ihnen bin ich „wirklich echt“ und historisch verbürgt -- auf den Dokumenten des Konzils der großen Kirchenversammlung von Nizzäa im Jahr 325 steht mein Name eigenhändig unterschrieben mit drauf. -- Seid so frei, ihr Wendelsteiner von heute und findet euch zusammen in diesem Glauben an den Dreieinen Gott.

„Hin bis zu der Erde Enden / wollte Jesus Boten senden, / setzte die Apostel ein, / um sein Wort hinaus zu tragen, / bis auch wir unsern Tagen / seine Zeugen dürfen sein.“ (‚Gotteslob‘ Nr. 887  4.)

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Ich komme aus der Wendelsteiner Nachbarschaft, die ja durch die Zeiten hindurch nicht immer so harmonisch und zugewandt war. Die Röthenbacher Kirche trägt meinen Namen, St. Wolfgang. Geboren war ich in Lauingen an der Donau 924, studierte Theologie auf der Insel Reichenau und in Würzburg und wurde 956 Lehrer an der Domschule in Trier. Du merkst: Eine glänzende Karriere bahnte sich an, aber ich schlug einen anderen Weg ein. 965 schloss ich mich der Klostergemeinschaft des hl. Benedikt in Einsiedeln in der Schweiz an und wurde dort zum priesterlichen Dienst geweiht. 971 wurde ich als Glaubensbote nach Ungarn gesandt - und dann auf Vorschlag des Passauer Bischofs im Jahr darauf auf den Bischofsstuhl von Regensburg beordert. Mehrere Mächtige kämpften damals in bayerischen Gefilden um die Vormacht im Lande (das soll ja bis heute im Freistaat manchmal ganz ähnlich zugehen); sie wollten mich für ihre politischen Interessen einspannen, da zog ich abseits als Einsiedler ins Salzkammergut an den Mondsee und den Abersee, der heute meinen Namen trägt: Wolfgangsee. Schon um 1300 entstanden Fernwege dorthin, bis aus Nürnberg holten Fuhrleute das „Weiße Gold“, nämlich das Salz aus den Alpen und brachten es über die Salzach, über den Inn bei Wasserburg, die Isar bei Landshut und die Donau in Regensburg nach Franken. Und ein wenig parallel zu dieser Handelsstraße entwickelte sich dann auch ein Wallfahrtsweg. -- So kam unser Röthenbach zu seinem Beinamen „bei St. Wolfgang“ und die Hauproute durch die Ortschaft heißt bis heute „Alte Salzstraße“. Das nach mir benannte Gotteshaus (ich trage hier das Modell in Händen) konnte heuer groß feiern, 550jähriges Jubiläum der Kirchenweihe. Dass Ihr das auch in ökumenischer Eintracht bekräftigt habt, hat mich echt gefreut! Bleibt als Getaufte miteinander auf dem Weg - das ist eure Berufung von IHM her: „Ihr seid das Licht der Welt - ihr seid das Salz der Erde.“

„Aus den Völkern dieser Erde / rief der HERR in seine Herde, / die von Anfang an er erwählt. / Hat sie durch sein Wort begleitet, / einen jeden wohl geleitet, / seinen Heilgen zugezählt.“ (‚Gotteslob‘ Nr. 887  1.)

„Aus GOTT geboren – bei IHM namentlich eingeschrieben“

- Gedanken zum Geburts- und Namenstag Marias

„Das Fest Mariä Geburt entstand im Orient, wahrscheinlich aus dem Kirchweihfest der St. Anna-Kirche in Jerusalem, die als Ort der Geburt Mariens gilt (die hl. Anna als Mutter Marias), nach anderer Überlieferung ist Maria in Nazaret geboren. Papst Sergius - um 700 n Chr. war er Bischof von Rom - nennt als die 4 Marienfeste, die in seiner Zeit gefeiert wurden: Verkündigung durch den Engel Gabriel, Marias Aufnahme in der Himmel, ihr Geburtstag und das Fest „Begegnung“ = Lichtmess.“ So ist es im Schott-Messbuch über den 8. September zu lesen - ein Kompendium mit allen Bibeltexten, Gebeten und Erläuterungen dazu für den Gang durchs Kirchenjahr. (1884 das erste Mal herausgegeben von P. Anselm Schott, Benediktiner in Beuron – in der damaligen Zeit der lateinischen Kirchensprache schon wollte er seine Mitchristen mit deutschen Texten ver-sorgen). Und über den 12.9., Mariä Namen, heißt es: „Wird nur im deutschen Sprachgebiet gefeiert; im römischen Generalkalender von 1970 wurde das Fest gestrichen, da es eine Doppelung zum Fest Mariä Geburt darstellt.“
 

-- Ich sehe das anders: Ich finds schön, mit dem Geburtstag der Maria und der Menschen um uns auch den Namenstag als besonderes "persönliches Datum" im Lauf eines Jahres wahrzunehmen; mit beiden Tagen wird Wichtiges erinnert und zum Vorschein gebracht - zum einen (Kinder singen es so in einem Ruf): „Ich freu mich, dass ich leben darf, dass man mir Leben schenkte“, zum andern: Ich bin nicht nur irgendwer für Gott und die Welt; vielmehr (auch in einem Liedvers ausgedrückt) „Ich trage einen Namen, bei dem der Herr mich nennt; du rufst mich in der Taufe, damit auch ihr mich kennt.“ Oder gilt das alte Sprichwort: Namen sind Schall und Rauch, ohne große Bedeutung, schnell dahingesagt...?

Mitte September gehts wieder los mit der Schule. Da steh ich dann in Reli vor „neuen Gesichtern“ in den dritten Klassen, ich selber so gespannt wie die Kinder in den Bänken; manche kenne ich gut, manche flüchtig, etliche sind "ganz  frisch" - eine hilfreiche Einrichtung, wenn da in der ersten Zeit Namensschilder vor jeder und jedem auf dem Platz stehen und du nicht bloß sagen musst: ‚Du da, der da hinten, nein, dich hab ich nicht gemeint, deinen Nachbarn...‘ Der Namen, mein Name macht mich kenntlich, ich werde einem anderen bekannt, Beziehung kann wachsen, ich tauche auf aus der Vielzahl... Oder: Besprechung an einer Kirchenbaustelle: Der Abgesandte aus Eichstätt kommt mir bekannt vor von den Gesichtszügen her, dass ich ihn aber in diesem Moment mit seinem Bruder verwechsle und den vor mir deshalb einige Male mit dem -falschen- Namen anrede, kommt mir erst, als er mir -leicht ungehalten- sagt: ‚So heiß ich nicht – das ist mein Bruder‘. - Ähnlich ja kleine Kinder, wenn du ihren Namen nicht richtig aussprichst oder ihn veränderst, um sie zu tratzen vielleicht, fallen sie dir ins Wort: ‚Nein, des stimmt nicht; ich heiße so und so...‘ Unser Name kennzeichnet uns, spricht von uns - einmalig wie wir sind, nicht austauschbar, ersetzbar, nicht einfach zum Aus-wechseln...Wenn ein Menschenkind in die Kirche gebracht wird zur Taufe, ist das die Eingangsfrage an Mutter und Vater: „Welchen Namen habt ihr Eurem Kind gegeben?“ In der Bibel scheint der Name etwas Entscheidendes zu sein, so dass du ohne Namen praktisch nicht existierst. Und ich weiß von manchen Menschen, die durch Wechselfälle des Lebens, durch viele Umbrüche in ihrer Biografie von ihrer Ursprungsfamilie entfernt sind, dass sie ihren Wurzeln, ihrem eigentlichen Namen auf die Spur kommen möchten.
 

Du hast einen Namen - vielleicht gefällt er dir gut, oder du könntest dir auch einen anderen vorstellen, oder du bist sogar unglücklich darüber, wie er "ausgefallen" ist - dann sei so frei, versuche dich damit auszusöhnen - ob so oder so, du bist ja eingeladen, unter diesem Namen dein Leben zum Klingen und Schwingen zu bringen, als Originalausgabe in dieser Welt, nicht als Kopie, mit diesem Namen (oder trotz dieses Namens) deine Bahn zu ziehen über diese Erde, durch schöne, durch mühselige Gefilde - dass dein Name einen hilfreichen Klang hat für diesen und jenen Menschen, dass er in deren Herzen ein Echo, einen Widerhall auslöst, einen vertrauenden, nicht einen erschrockenen... Du trägst einen Namen, den oder den - auf jeden Fall, du bist nicht nur eine Nummer für die Statistik, fürs Wählerverzeichnis, bist nicht ein Rädchen im Getriebe, du bist Person, beim Namen genannt, angesprochen, von anderen gemocht. Für alle diese Leute bedeutet dein Name nicht nur etwas aus dem Standesamtsregister oder Namenslexikon, sondern da steckst du drin, ein Mensch aus Fleisch und Blut, mit Verstand und Gefühlen, mit Leib und Seele. Und als dieser Mensch bist du von Gott gewollt, gerufen: „Jeden, der nach meinem Namen benannt ist, habe ich zu meiner Ehre erschaffen, geformt und gemacht“, so lautet die Zusage Gottes aus dem Mund des Propheten. Und aus der Schreibfeder des Psalmisten: „Deine Augen sahen, wie ich entstand, in deinem Buch des Lebens steht mein Name verzeichnet.“ (Psalm 139) --- Ich namentlich eingetragen in SEINEM Buch - von Anfang an und für immer - und was auch an Schicksal mir zuteil werden mag, kürzere oder lange Jahre, Notvolles, Beglückendes, Rätselhaftes, Gnadenglück und Sterbeleid - nichts Vergangenes und nichts Zukünftiges, keine Macht der Welt, ja nicht einmal der letzte böse Feind, der Tod, vermag meinen Namen aus dem Buch des Lebens zu löschen, zu tilgen, zu entfernen.
 

Neulich bei der hl. Messe im Seniorenheim Sägerhof haben wir uns unter den Mitfeiernden im Predigtgespräch ausgetauscht: Wie heiße ich; wie komme ich zu diesem Namen; wem habe ich ihn zu verdanken; was bedeutet er mir… Und: Wann wurde ich geboren – ich erinnere den Tag, die Stunde weißt du vielleicht auch; wo kam ich zur Welt; wie waren die Umstände meiner Geburt… Ein gutes Dutzend Leute waren wir nur - und welch eine Vielfalt von Erlebnissen und Situationen, die da ans Licht kam… echt zum Staunen. Und in vielen der Äußerungen verborgen die Zuversicht, dass da ER mit am Werk ist und auf dem Weg. „Bis die Gebärende einen Sohn geboren hat - er wird als Hirt für sie eintreten im hohen Namen unseres Gottes“, so im Buch Micha, 5, 1-4a - 20180908 Maria Namenund im Evangelium nach Lukas 1, 26-38: „Maria, du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären - den Namen Jesus sollst du ihm geben.“ -- Die Bibel kennt eine Fülle an Geschichten von Zeugung und Empfängnis, von Schwangerschaft - mit Wehen und Schmerzen, mit guter Hoffnung. Allen „frommen Glaubens-Zusätzen“ voran, so bin ich mittlerweile überzeugt, gibt Gott sich zu erkennen im Geheimnis der / unserer Menschwerdung, in unserem Werden und Wachsen. Eigentlich müsste eine Frau, eine Mutter uns dazu predigen - aus ihrem Empfinden im Schwanger-werden, und als es auf die Geburt zuging; von dem, was ein Kind bedeutet an Bereicherung, auch wie viel Zeit es braucht und wie stark es Kräfte bindet und entzieht. Und Eltern müssten sprechen, deren Wunsch nach einem Kind sich nicht erfüllt hat, von ihren Tränen, von ihrer inneren Wehmut – und vom Prozess, auf ihre Weise mütterliche und väterliche Menschen zu werden in unserer Welt. Und Leute müssten erzählen von der tiefen Not, wenn Leben heranwächst - und dann das Licht der Welt nicht erblicken kann.
 

Gott zeigt uns in der Menschwerdung Jesu, dass er das alles /alles mit uns teilt, uns innerlicher als wir uns selbst. Und ich denke, wir werden die Worte des lebendigen Gottes nicht recht verstehen, wenn wir uns nicht daran-machen, aufmerksam das LEBEN in uns und im anderen wahrzunehmen, uns da voran zu helfen und nicht mit vorgefassten Meinungen einander zu begegnen und mit fertigen Sätzen und seien sie hochreligiöser Art. Es gilt der Liedvers, den wir zum Geburtstag Jesu weihnachtlich anstimmen, den sing‘ ich aus Leibeskraft mit: „DICH wahren Gott ich finde / in meinem Fleisch und Blut. Darum ich fest mich binde / an dich, mein höchstes Gut.“ Ich schließe mit Zeilen, die mir vor langen Zeiten eine Freundin zu einem Geburtstag geschrieben hat; sie begleiten mich bis heute: „Unser Geburts-Tag ist nicht der eine Tag, an dem wir geboren wurden. Unser Leben hat viele Geburts-Tage und wir müssen oft geboren werden, ehe wir ganz Mensch werden. Immer wieder werden wir aufgefordert, Liebgewordenes zu verlassen, Grenzen zu überwinden, Neues zu beginnen. Unser Leben reift in vielen Wandlungen zu dem & der, den & die Gott gewollt hat, als er uns schuf.“

Amen.