Predigt vom Sonntag
Predigt
14. Sonntag i Jahreskreis Lj C
Wozu ist die Kirche gut? Diese Frage wird in unserer Gesellschaft immer öfter gestellt.
Die abnehmende Zahl der aktiven Christen zeigt an, dass sogar viele Getaufte die Frage für sich nicht beantworten können und sich deshalb von der Kirche abwenden. Ist das nicht alles viel zu kompliziert, der dicke Katechismus, die vielen Gebote und Anweisungen? Gibt es denn niemand, der das alles in wenigen Stichworten auf den Punkt bringen kann? Der uns kurz und knapp sagen kann: Wozu ist die Kirche, wozu sind die Christen gut? Ja, es gibt einen, der uns das sagen kann: Jesus,der im heutigen Evangelium die 12 Jünger aussendet. In drei Punkten zeigt er den Grundauftrag für die Jünger und damit auch unseren Auftrag.Der erste Auftrag lautet „segnen“. Jesus sagt: „Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!“ Wobei das hebräische Wort „Shalom“ nur ungenügend mit „Friede“ übersetzt werden kann.Shalom meint mehr, es ist ein Gruß- und Segenswort. Shalom meint nicht nur, dass in diesem Haus kein Streit herrsche, sondern es beinhaltet den Wunsch, dass Glück und Gottes Segen hier wohnen mögen. Eine solche Friedensvision hat uns Jesaia in der Lesung geschildert. Unser erster Auftrag ist also, den Menschen um uns den Segen Gottes zuzusprechen, ihnen zu sagen, Gott ist mit dir, er liebt dich.
Wir dürfen dabei nicht vergessen: Gott liebt nicht nur die, die wir auch lieben, er liebt auch die, mit denen wir unsere Probleme haben. Wer Shalom sagt, denkt groß und gut von den anderen. Wer Shalom sagt, muss alles, was zwischen ihm und den anderen steht, aus seinem Herzen verbannen: Streit, Neid, Überheblichkeit, Eifersucht, Egoismus. Für den, der Shalom sagt, gibt es nur eines: segnen, das lateinische Wort hierfür ist benedicere - das wir übersetzen können mit gutes sagen, jemanden aufrichten.Der zweite Auftrag lautet: „heilen“. Jesus sagt: „Heilt die Kranken, die dort sind!“ Mit Krankheiten sind nicht nur körperliche Leiden gemeint. Man kann Krankheit als umfassendere Beeinträchtigung des mensch-lichen Lebens deuten. Für das, was nicht in Ordnung ist, haben wir im Deutschen sogar eine Redensart: „Daran krankt es“. Und wenn wir in unsere Gesellschaft schauen, dann fallen uns viele Bereiche auf, in denen es krankt. Da gibt es viel wieder heil zu machen. Enttäuschte Hoff-nungen, zerbrochene Beziehungen, ungerechte Verteilung der Güter, Ausbeutung der Natur, die Liste ließe sich fortsetzen. Christen müssen als „Salz der Erde“ überall dort eingreifen, wo Mensch und Natur sich nach Heil sehnen. Übrigens: Bei vielen organischen Krankheiten ist auch der Arzt überfordert, wenn die Ursachen in gesellschaftlichen Bedingungen liegen – zerrüttete Familien, der Stress der viele Krank macht – oder von Menschen verursachte Umweltzerstörung und daraus erfolgende Allergien. Wenn die Lebensumstände wieder heil sind, wird der Mensch auch wieder gesund. Das alles ist ein weites Betätigungsfeld für uns Christen.Jesus will, dass es den Menschen gut geht, und er sendet uns, dafür zu sorgen. Uns ist das Heilen als Auftrag gegeben.Der dritte Auftrag lautet: „verkünden“. „Sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe gekommen.“ Das griechische Wort „Evangelium“ übersetzen wir mit „Frohe Botschaft“. Es ist eine Botschaft, die aufatmen lässt. Wenn der Arzt einem Kranken sagt, dass sich der Krebsverdacht nicht bestätigt hat, dann atmet dieser auf; wenn jemand die Mitteilung bekommt, eine Prüfung bestanden zu haben, dann atmet er auf; wenn ein persönliches Problem gelöst ist, dann atmet man auf.So ähnlich müssten Menschen reagieren, denen wir die Botschaft von Gottes Liebe und Treue sagen: sie müssten aufatmen. Jesus sendet die Jünger, er sendet jeden und jede von uns, sein Evangelium, seine Frohe Botschaft den Menschen weiter zu sagen.
Dazu ist keine theologische Spezialausbildung nötig. Wer sich von Gott geliebt weiß, kann das mit einfachen Worten weitersagen. Die beste und glaubwürdigste Weise, das Evangelium zu verkünden, ist unser Leben. Ein Leben, an dem die anderen unsere Erlösung ablesen können. Somit ist auch das Verkünden der Frohen Botschaft unsere wesentliche Aufgabe.Segnen, heilen, verkünden: Das ist die Aufgabe der Kirche, das ist die Aufgabe für jeden von uns. Da sind wir fast überfordert. Nicht umsonst sagt Jesus am Anfang: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet daher den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.“ Dieses Zitat wird gerne dann gebraucht, wenn wir für Priester-und Ordensberufe beten. Das ist gut und wichtig, heute wichtiger denn je. Aber mit „Arbeiter“ meint Jesus hier nicht nur die Priester, er meint alle Christen.„Es gibt nur wenig Arbeiter“ heißt: Es gibt nur wenig Priester. Es heißt aber auch: Es gibt nur wenig Christen. Wir müssen Gott, den Herrn der Ernte, bitten, dass er nicht nur den Priestermangel, sondern auch den Christenmangel behebt. Jeder Christ kann segnen, jeder Christ kann heilen, jeder Christ kann verkünden. Jeder und jede von uns ist durch das Sakrament der Taufe in diese Aufgabe mit hinein genommen, ist durch das Sakrament der Firmung dafür gestärkt worden, und empfängt im Sakrament der Eucharistie immer wieder Speise und Trank für diesen Weg. Dafür sind wir jetzt hier, um uns wieder neu senden zu lassen zum Segnen, Heilen und Verkünden.
12. Sonntag i Jahreskreis Lj C
Das heutige Evangelium bietet uns Impulse über uns und unseren Glauben nachzudenken.
Jesus fragt: Für wen halten mich die Menschen?
Mehrere Antworten werden gegeben: ein neuer Täufer, ein neuer Elia, ein neuer Prophet, ein außergewöhnlicher Mensch, ein Superstar - ob bereits unsere Antwort darunter ist? Dann müssten wir uns sagen lassen, dass sie nicht genügend wäre, denn die Frage wird nochmals auf die Jünger hin zugespitzt gestellt: ihr aber, für wen haltet ihr mich?
Es ist die letztlich alles entscheidende Frage auch unserer Existenz: Für wen halten wir Jesus von Nazareth - wer ist er für uns - welchen Stellenwert hat er für mich?
Einer antwortet für alle, seine Antwort gilt und wegen dieses Bekenntnisses wird ihm ein Vorrang in der Jesusgemeinschaft eingeräumt: Du bist der Messias d.h. der Christus.
Ist dies auch unsere Antwort?
Sie ist wichtig, denn davon leiten wir unseren Namen und damit unser ganzes Sein ab! Ist Jesus mein Erlöser, mein Heiland, mein Herr, mein Gott, meine erste und wichtigste Bezugsperson in meinem Leben?
Christsein heißt, Jesus von Nazareth als den Christus zu glauben, zu begreifen und zu bekennen. In etwa so wie die Apostel und die anderen Jünger. Aber: Da ist offensichtlich noch etwas nachzutragen. Es bedarf auch des richtigen Verständnisses. Der Gesalbte Gottes sein heißt: eingeordnet sein in den Vollzug und den Ablauf von Gottes Heilswillen für die Menschen. Das heißt für Jesus, von Gott in Dienst genommen und gesendet zu werden und es beinhaltet mit dem eigenen Leben zu bezeugen, dass dieser Gott ein guter, treuer Gott ist, der Heil wirkt über den Tod hinaus.
Jesus, der Messias Gottes geht seinen Weg nicht so, wie die Menschen es erwarten, sondern so, wie Gott es ihm bestimmt hat. ER muss leiden, er muss verworfen werden, er muss sein Kreuz tragen und in den Tod gehen, und er muss auferweckt werden. Es ist der Leidensweg und diesen Weg muss auch der Jünger Jesu gehen und zwar täglich. Das hat Jesus zu allen gesagt!
So ein Verständnis von Wesen und Sendung Jesu bringt natürlich Folgen für all jene, die sich nach ihm Christ nennen. Christsein heißt Jesus anhängen. Wohlgemerkt - da ist nicht vom Kreuz Jesu die Rede - er bürdet es uns nicht auf - er hat es für uns getragen, es ist auch nicht davon die Rede, dass nun jeder Christ für sich ein Kreuz suchen muss, sondern es gilt die vielen großen und kleinen Kreuze, die täglich auf unserem Weg stehen aufzunehmen und zu tragen. Sie zu meistern, zu überwinden, zu bewältigen.
Damit wird Christsein ein Nachgehen des Weges Jesu. Dieser Weg führt in die Herrlichkeit Gottes. Und die Eigentümlichkeit des Weges ist das Vergessen des eigenen Ichs.
Die Verkündigung des heutigen Jesus-Wortes ist inhaltsschwer und tief. Was uns bleibt, ist seine Frage:
Ihr aber, für wen haltet ihr mich?
Was wir versuchen müssen, ist eine Antwort, die nicht nur von den Lippen kommt, sondern bezeugt werden will in und durch unser Leben!
11. So i Jahreskreis
Herr Pfarrer, lassen Sie bitte bei ihrer Ansprache ja das Geschwätz von der Sünde weg!, bat mich ein junger Mann im Trauergespräch bei den Vorbereitungen zur Beerdigung seiner Mutter.
Das Geschwätz von der Sünde?, dachte ich damals erschrocken. Ganz offensichtlich wollen viele Menschen gar nichts mehr von Sünde und Schuld hören. Dieses Thema scheint Tabu zu sein. Über Sünde spricht man heute nicht.
Für Jesus jedoch war die Sünde das größte Übel, das es gibt, schlimmer als jede Krankheit. Er hat nie die Sünde verharmlost oder versucht, sie herunter zu spielen. Im Gegenteil, er hat die Sünde wahrgenommen, wo andere sie noch gar nicht sahen. Bevor er Kranke heilte, vergab er ihnen ihre Sünde. Jesus hat niemals den Sünder verachtet, sondern die Sünde. Er hat nicht den Sünder bekämpft, sondern die Sünde. Jesus war gut zu den Sündern. Er hat sie wahrgenommen in ihrer Würde als Mensch. Er hat sie nicht verachtet und sie nicht einfach gemieden, wie es die so genannten Frommen machten, die alles dafür taten, um nicht mit ihnen in Kontakt zu kommen. Er hat den Sündern einen Neuanfang ermöglicht, indem er mit ihnen war und indem er sie von der Last der Sünde befreite.
Die Sünderin, die offensichtlich stadtbekannt war und deren Namen wir in diesem Evangelium nicht erfahren, hat ihre Sünde erkannt. Und sie hat sie bereut. Tränen der Reue vergoss sie über Jesus. Sie hat die Nähe zu Jesus gesucht, weil sie in sich spürte, dass er allein sie heilen kann. All ihre Hoffnung setzt sie auf eine Karte: sie überwindet alle gesellschaftlichen Schranken und jede Etikette, um zu Jesus zu gelangen. Und Jesus enttäuscht sie nicht. Jesus schaut nicht auf das Äußere, er begnügt sich nicht mit dem Schein, auch nicht mit dem Ansehen der Person, sondern er schaut tiefer, er schaut ins Herz und erkennt: da ist noch immer das Wertvollste, was es gibt – die Liebe.
Simon, dem Gastgeber, der verständlicher Weise erbost ist über das plötzliche Auftauchen der Frau in seinem Haus und das empörende Verhalten gegenüber seinem Gast, gilt nicht weniger das Augenmerk Jesu. Auch bei ihm schaut er tiefer. So versucht er ihm zu erklären, dass eigentlich alle Menschen vor Gott so etwas wie zahlungsunfähige Schuldner sind.
Keiner von uns Menschen kann von sich sagen, dass er ganz ohne Sünde wäre. Die Frau hat dies verstanden. Simon braucht ein Gleichnis. Er gibt ihm, und damit auch uns heute, ein Beispiel. Ob er verstanden hat, erfahren wir nicht.
Das Maß aller Dinge ist und bleibt jedoch die Liebe. Die Liebe hat gemäß dem heutigen Evangelium so etwas wie sündenvergebende Kraft: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat, sagt Jesus. Auch die Reaktion der Gäste an dieser Stelle erscheint nachvollziehbar: Wer außer Gott könnte Sünden vergeben?
Wer ist dieser Jesus, dass er sogar Sünden vergibt. Damit kommt der Glaube ins Spiel. Es ist letztlich der Glaube, der ihr geholfen hat. Jesus sagt das ausdrücklich: Dein Glaube hat dir geholfen und entlässt sie im Frieden. Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei, haben der Frau geholfen, zurück ins Leben zu finden, einen Neuanfang zu starten. Wir erfahren nicht, was aus ihr geworden ist. Interessanterweise jedoch fährt Lukas in seinem Evangelium fort, in dem er berichtet, dass neben den Jüngern auch Frauen ihn auf seiner weiteren Reise begleitet haben. Vielleicht war sie eine davon.
Was aus Simon, dem Gastgeber, geworden ist, erfahren wir auch nicht.
Was aber aus uns wird, das liegt in unserer Hand. Wie für die Frau bleiben auch für uns Glaube, Hoffnung und Liebe. Diese drei Tugenden ermöglichen uns ein Leben in Vergebung und Frieden und geben uns Zukunft. Bitten wir Gott, um seinen Geist, dass wir die Botschaft Jesu Christi immer mehr verstehen und umsetzen lernen in unser Leben und dass er unseren Glauben nähre, unsere Hoffnung stärke und unsere Liebe immer mehr wachsen lasse. Und dass er uns einen klaren Blick schenkt, wo in unserem Leben die Sünde steckt, und den Mut, damit zu Jesus zu gehen.
Pfingstmontag Lj C
Wir alle haben unsere Lieblingslieder. Auch in der Kirche. Bei manchen Liedern kann man so schön einatmend und ausatmend singen und dann ausklingen lassen. Wir atmen. Alle. Immerzu. Auch nachts. Auch wenn wir mit allem anderen (Tun) aufhören. Auch wenn unser Körper ganz ruhig ist. Er atmet: ein und aus. Still und ruhig und regelmäßig. Ohne dass wir es merken.
Doch dann gibt es auch die Stunden, wo wir "atemlos" werden. Gehetzt und eilig. Oder wir "halten den Atem an", weil uns angst und bange wird. Wie gut tut uns eine "Atem-Pause", Auszeit für Leib und Seele.
Zum Atmen hat Johann Wolfgang von Goethe ein schönes Gedicht geschrieben:
Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:
Die Luft einzuziehen,sich ihrer Entladen,
Jenes bedrängt,dieses erfrischt,
so wunderbarist das Leben gemischt!
Solange wir leben, atmen wir.
Solange wir atmen, leben wir.
Atmen, das ist das erste Lebenszeichen eines Neugeborenen.
Atemstillstand Anzeichen des Todes.
Die Bibel kennt für Geist und Atem nur ein Wort (ruach/pneuma / spiritus).
Gottes Geist und Atem machte den Menschen lebendig, erzählt uns die Schöpfungsgeschichte.
"Nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie dahin und kehren zurück zum Staub der Erde. Sendest du deinen Atem (Geist) aus, so werden sie alle erschaffen, und du erneuerst das Antlitz der Erde", singt der Psalm.
Jesus beatmet seine Jünger am Osterabend und macht sie so zu neuen Menschen: "Er hauchte sie an und sprach: "Empfangt den Heiligen Geist".
Ein Hymnus aus dem Stundengebet fällt mit ein:
Geist - Wind - Woher kommst Du?Wohin gehst Du?
-Du machst uns freizu Kommen, zu gehen - an diesem Tagfür dieses Leben Atem GottesGeist - Wein
Du machst uns trunken du machst uns mutig -Wir stoßen an: Brüder, Schwestern - an diesem Tag,für dieses Leben. Atem GottesGeist - Same
Du keimst im Schoß der Jungfrau,treibst Knospenaus dem alten Stamm
Wir wachsen - an diesem Tagfür dieses Leben Atem Gottes.
Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete" - Gottes Geist – Kraft, die Hoffnung gibt!
Ungewohnte Bilder und Worte. Das lässt aufhorchen. Atem Gottes: Gott hält die Welt in Atem. Gott hält mich im Atmen. Du bist mein Atem, wenn ich zu Dir bete.Gottes Geist will in uns atmen, unaufhörlich. Lasst uns auf ihn einschwingen mit dem Gebet des heiligen Augustinus:
Fürbitten: GL 4,6
"Atme in mir, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges denke,Treibe mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges tue,Locke mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges liebe,Stärke mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges hüteHüte mich, du Heiliger Geist, daß ich das Heilige nimmer verliere."
Pfingstsonntag Lj C
Die Wunder von damals müssen's nicht sein, auch nicht die Formen von gestern, nur lass uns zusammen Gemeinde sein, eins so wie Brüder und Schwestern, Ja, gib uns den Geist, deinen guten Geist, mach uns zu Brüdern und Schwestern!
Gib uns den Geist!, so bitten wir an Pfingsten. Mehr nicht? höre ich schon manche fragen.Sehnen wir uns nicht nach der Familie, nach dem Freundeskreis, der Schulklasse, in denen ein guter Geist herrscht?
Sehnen wir uns nicht nach Menschen, die nicht Konkurrenten sind, sondern echte Mit‑Menschen?
Sehnen wir uns nicht auch in den Kirchen nach Gemeinden, in denen wir uns wohl fühlen, wo wir zu Hause sind?
Auch Zungen von Feuer müssen's nicht sein, Sprachen, die jauchzend entstehen, nur gib uns ein Wort, darin Wahrheit ist, dass wir, was recht ist, verstehen, Ja, gib uns den Geist, deiner Wahrheit Geist, dass wir einander verstehen!
Eine Wortflut bricht über uns herein. Doch Worte der Wahrheit, des Verstehens sind in unserer Zeit Mangelware. Lügen begleiten uns täglich. Dabei hungern Menschen nach Verstehen: Kinder und Jugendliche warten auf dieses Wort, Eheleute sagen dieses Wort oft nicht mehr, Kranke und Behinderte sind auf ein solches Wort angewiesen.
So wünsche ich mir weiter, dass das Wort der Wahrheit und des Verstehens geschenkt wird.
Ein Brausen vom Himmel muss es nicht sein. Sturm über Völkern und Ländern. Nur gib uns den Atem, ein kleines Stück unserer Welt zu verändern, Ja, gib uns den Geist, deinen Lebensgeist, uns und die Erde zu ändern!
Viele resignieren. "Veränderung, Erneuerung” ‑ das sind zu große Worte, an die sie nicht mehr glauben. Ich als einzelner kann ja doch nichts machen! resigniert manche/r. Doch die afrikanische Weisheit gilt gerade heute: Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.
Deshalb ist mein dritter Pfingstwunsch: den Atem, ein Stück meiner Welt zu verändern.
Der Rausch der Verzückung muss es nicht sein, Jubel und Gestikulieren, nur gib uns ein wenig Begeisterung, dass wir den Mut nicht verlieren, Ja, gib uns den Geist, deinen heiligen Geist, dass wir den Mut nicht verlieren!
Die Angst geht um, die Angst vor der Zukunft: Umweltverschmutzung, Atombedrohung, Terror, Inflation, Angst vor Krankheiten wie Krebs und Aids lähmen viele Menschen. Das geht so weit, dass junge Paare Angst haben, Kindern das Leben zu schenken; eine solche Welt könnten sie ihren Kindern nicht zumuten.
So wünsche ich mir schließlich: ein wenig Begeisterung, dass wir den Mut nicht verlieren.
Was wünschen Sie sich zu Pfingsten? Setzt Sie diese Frage noch immer in Erstaunen? Oder haben Sie vielleicht Mut bekommen, sich auch etwas zu wünschen? Die Wunder von damals müssen's nicht sein, Gottes Geist kann auch heute Wunder wirken.
Predigt vom Sonntag



